Sonntag, 15. Juli 2012

S. Teresa: Die innere Burg – Castillo - 127


KAPITEL 3

Es handelt vom selben Thema und sagt, auf welche Weise Gott, so es ihm gefällt, zur Seele spricht, und zeigt an, wie man sich dabei verhalten und nicht auf das eigene Urteil verlassen soll. Es nennt einige Anzeichen, an denen man erkennt, wann keine und wann sehr wohl eine Täuschung vorliegt. Es ist sehr nützlich. 1

6.W.K.3.1. Gott hat noch eine andere Weise, um die Seele zu erwecken. 2 Auch wenn diese in gewisser Hinsicht eine größere Gnade als die bisher genannten 3 zu sein scheint, könnte sie doch gefährlichersein; deshalb werde ich ein wenig dabei verweilen. Es handelt sich um gewisse sehr mannigfaltige Ansprachen 4 an die Seele, bei denen es aussieht, als kämen manche von außen, andere aus dem tiefsten Innern der Seele, wieder andere aus ihrem obersten Bereich, während noch einmal andere so äußerlich sind, dass man sie mit den Ohren hört, weil es sich wie eine ausgeformte Stimme anhört. Manchmal, ja oft, mag es Einbildung sein, besonders bei Personen mit einer krankhaften Phantasie oder Melancholikerinnen, 5 ich meine mit einer ausgeprägten Melancholie.

Anmerkungen
1 Dieses Kapitel ist in gewissem Sinn eine Neuauflage von V 25. Die Leitidee ist das Bemühen, zwischen von Gott kommenden mystischen Auditionen und ihren Fehlformen, die durch Selbsttäuschung oder vom Bösen kommen können, zu unterscheiden. Siehe dazu speziell V 25,2 und 6M 3,4. In diesem Kapitel spricht sie zuerst von mystischen Ansprachen im allgemeinen (3,1-11) und dann von einer Art mystischer Ansprachen „mit intellektueller Vision“ (3,12-18).
2 Erwecken steht für die Aktivierung aller Fähigkeiten des Menschen für seine Beziehung zu Gott, für die „Dynamisierung“ seines ganzen Wesens: „Einige Weisen, mit denen unser Herr die Seele aufweckt“ (6M 2, tít.8), so dass „die Seele fur die Dinge Gottes niemals so wach war“ (6M 4,4) und „der Wille zur Liebe erweckt wird, und dafur hellwach ist, aber fest schlaft, um die Anhanglichkeit an ein Geschopf zuzulassen“ (6M 4,14).
3 In 6M 2,1-4.8.
4 Wie schon in ihrer Vida verwendet Teresa für „mystische Audition“ nicht, wie Johannes vom Kreuz, den Fachausdruck locucion, sondern das schlichte, volkstümliche habla. Vgl. V 25. Dabei ist Johannes diesem Phänomenen gegenüber deutlich zurückhaltender als Teresa, nicht nur wegen der großen Gefahr der Selbsttäuschung, sondern vor allem auch, weil zuviel Aufmerksamkeit für solche Begleiterscheinungen der Kontemplation den Menschen von der Glaubenshaltung ablenkt, die allein zur Gotteinung führt; siehe vor allem 2S 28-31.
5 Die weibliche Form geht wohl kaum nur darauf zurück, dass Teresa an erster Stelle für ihre Mitschwestern schreibt. Nach Meinung der männlichen Theologen ihrer Zeit war eine krankhafte Phantasie vor allem ein Problem der Frauen, die man deshalb vor falschen mystischen Anwandlungen schützen musste. Greift Teresa hier bewusst das herrschende Vorurteil auf, um dann um so klarer hervorheben zu können, dass es auch Fälle gibt, in denen solche Erfahrungen nicht auf Einbildung beruhen, sondern göttlichen Ursprungs sind? – Zum Begriff „Melancholie“ siehe Anm. zu 3M 1,6. An dieser Stelle wird deutlich, dass die Autorin nicht an „Schwermut“ denkt, wie immer wieder falsch übersetzt wird, sondern an Wahnerleben.

(Teresa von Avila, Wohnungen der Inneren Burg, Vollständige Neuübertragung, Gesammelte Werke Bd.4, Herder 2005, Herausgegeben, übersetzt und eingeleitet von Ulrich Dobhan OCD, Elisabeth Peeters OCD)


CAPÍTULO 3

Trata de la misma materia y dice de la manera que habla Dios al alma cuando es servido, y avisa cómo se han de haber en esto y no seguirse por su parecer. - Pone algunas señales para que se conozca cuándo no es engaño y cuándo lo es. - Es de harto provecho.

1. Otra manera tiene Dios de despertar al alma, y aunque en alguna manera parece mayor merced que las dichas, podrá ser más peligrosa y por eso me detendré algo en ella, que son unas hablas con el alma de muchas maneras: unas parece vienen de fuera, otras de lo muy interior del alma, otras de lo superior de ella, otras tan en lo exterior que se oyen con los oídos, porque parece es voz formada. Algunas veces, y muchas, puede ser antojo, en especial en personas de flaca imaginación o melancólicas, digo de melancolía notable.

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