Sonntag, 22. Juli 2018

„Entweder ich probier’s und trete ein oder ich werde …“

Es verwundert schon ein wenig, wenn eine Karmelitin ausgerechnet der „taz“ ein Interview gewährt.  Schwester Maria, eine Ärztin und jetzt 52 Jahre alt, lebt in dem kleinen Karmel auf der Elbinsel Finkenwerder (Hamburg). Nach dem Medizinstudium hat sie noch drei Jahre als Ärztin gearbeitet, bevor sie mit 31 Jahren Karmelitin wurde. Zurzeit ist sie Priorin ihres kleinen Klosters.

Im Folgenden lesen Sie eine Auswahl ihrer Antworten, die Sie auf die ihr gestellten Fragen gab.

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Schwester Maria Burger antwortet auf die Frage, warum sind Sie Nonne gewordensei: „Als ich mit meinem Studium fertig war und angefangen habe, zu arbeiten, habe ich gemerkt, dass ich noch mehr will. Mein Beruf war mein Beruf, aber ich suchte eine Berufung. Als ich dann ins Kloster eingetreten bin, war ich 31. Im Jahr 2014 bin ich dann in unser Kloster hier in Hamburg gekommen.“

Sie habe sich „verschiedene Klöster angeschaut“, darunter auch die „missionsärztlichen Schwestern“. Sie hatte überlegt, in die  „Dritte Welt“ zu gehen. „Aber irgendwas passte für mich nicht. Trotzdem war es keine leichte Entscheidung, den Beruf aufzugeben. Das war ein Kampf für mich. Als ich dann im Kloster war, habe ich die Arbeit komischerweise nie vermisst.“

„Für welchen Orden man sich entscheidet, das ist so eine Frage wie die, welchen Mann man heiratet. Mir hat damals jemand gesagt, das muss passen wie ein Schüssel ins Schloss.“ Den Klostereintritt habe sie „eigentlich nie bereut“.

Zwar habe es Momente gegeben, „in denen ich am liebsten getürmt wäre“. Aber sie wusste, sie würde dann vor etwas davonlaufen.

Über ihren Alltag befragt gibt sie die Antwort: „Der Tag ist gefüllt mit den Gebetszeiten: Morgens von sieben bis acht stilles Gebet, dann das Psalmgebet, Arbeitsbesprechung, Frühstück, Arbeitszeit, wieder eine Zeit Stille in der Kirche. Um zwölf Psalmgebet, dann Mittagessen, um 17 Uhr wieder Psalmgebet, abends eine Stunde stilles Gebet und unter der Woche anschließend noch die Eucharistiefeier. - Zweimal im Monat machen wir Stilletage. Und einmal im Monat haben wir einen freien Tag.

Was sie an ihren freien Tagen mache, antwortet Sr. Maria:  „Am freien Tag gehe ich spazieren oder fahre Fahrrad. Ich habe dann das Bedürfnis nach Natur, Bewegung, frischer Luft.

Über die Arbeit im Kloster sagt sie: „Jede macht das, was sie gut kann. Ich arbeite zum Beispiel gerne im Garten und kümmere mich um unsere Seniorin, die ist 94 Jahre alt. Es fallen Hausarbeiten an, wir betreuen die Gäste, führen Begleitungsgespräche und dann der ganze Verwaltungskram. Momentan schlagen wir uns mit der neuen Datenschutzverordnung rum, das ist wirklich viel Arbeit.“

Die Schwestern leben „in erster Linie von den Gästen. Manche von ihnen kommen nur für einen Tag, andere bleiben eine Woche oder zehn Tage. Die meisten sind aus Hamburg. Wir hatten zum Beispiel einen Lehrer zu Besuch, der nach Schuljahresende einfach ein paar Tage schweigen wollte. Der war nicht im Gottesdienst und das ist auch okay für uns. Wir machen keine Vorschriften.

Für das Klosterleben brauche man „natürlich eine gewisse Konsequenz. Aber heute gehen einige Dinge, die früher gar nicht gegangen wären. Die Mutter einer Mitschwester lebt in den USA. Sie wird sie in nächster Zeit besuchen.

Am meisten gefällt ihr „die zwei Stunden inneres Gebet und die Stilletage“. Es entstehe „ein tiefer Frieden, tiefes Glück und für mich in erster Linie ganz große Dankbarkeit. Es gibt dann natürlich auch immer wieder Durststrecken. Da muss man die Kraft finden, durchzuhalten. Das ist schwierig, aber es lohnt sich.“

Was Sie am Klosterleben gerne verändern würde, wurde sie gefragt und antwortete: „Da fällt mir so direkt nichts ein. Woran man natürlich immer arbeiten kann, sind die Beziehungen untereinander.“


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Das ganze Interview mir Sr. Maria Burger OCD Finkenwerder, Hamburg, ein schließlich einem Foto, finden Sie hier -
http://www.taz.de/!5517752/


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Dienstag, 10. Juli 2018

Schwester Agnes Teresa vom Heiligen Antlitz, Karmelitin - RIP

Im Alter von 60 Jahren starb am 25. Juni 2018 im Karmelitinnenkloster in Krakau Schwester Agnes Teresa vom Heiligen Antlitz OCD.



Sie wurde am Festtag der Muttergottes, Mariä Geburt, am 8. September 1957 in Weißrussland geboren. Im selben Jahr gingen die Eltern mit ihrer Tochter nach Polen. Am 18. April 1977 trat sie in den Karmel in Krakau ein, wo sie am 2. Mai des darauffolgenden Jahres eingekleidet wurde. Die einfache Profess legte sie am 3. Mai 1979 ab, ihre feierliche Profess am 12. September 1982.



Auf ihr Professbildchen schrieb Schwestern Agnes:

„Maria, gib, dass Jesus mich immer zu einem reinen,
stillen und heiligen Opfer mache.“

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„Maryjo spraw bym dla Jezusa była zawsze ofiarą czystą, cichą i świętą”

Dieses Gebet erfüllte die große Marienverehrerin Tag für Tag, es wurde zum Inhalt ihres gesamten Lebens.

Quelle: https://www.karmel.pl/krakow-wesola/


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Freitag, 20. April 2018

Priorin Evamaria Heigl OCD im Interview

In einem 20-Minuten dauernden Hörfunk-Interview mit der Priorin der Unbeschuhten Karmelitinnen im Kloster Wemding, erzählt Schwester Evamaria Heigl, wie das Leben im Kloster aussieht, wie der Wechsel zwischen Arbeit und Gebet die Gemeinschaft prägt.

 
Quelle: pde-Foto: Bernhard Löhlein, www.bistum-eichstaett.de

Derzeit leben neun Schwestern im Karmelitinnenkloster Wemding. Nachwuchssorgen kenne die Priorin durchaus. Gott berufe zwar nach wie vor Menschen in seine Nachfolge. „Aber eine so starke Bindung wie bei uns können nur wenige fassen.“

Gerade das Miteinander der Schwestern sei bei aller Zurückgezogenheit und Stille sehr wichtig. „Bei uns wird auch gelacht, wir sind kein Trauerkloster.“

Eine Trennung der Welt außerhalb und innerhalb des Klosters sieht die Ordensschwester nicht. „Die Welt ist auch in uns. Es geht uns darum, Gott als den lebendigen Gott zu bezeugen.“

Zu hören ist das Interview mit Sr. Evamaria bei Radio K1, dem kirchlichen Hörfunk für das Bistum Eichstätt. Hier der LINK zum PODCAST:

siehe auch:
https://www.bistum-eichstaett.de/aktuell/aktuelle-meldungen-details/news/wir-sind-kein-trauerkloster-hoerfunk-interview-mit-sr-evamaria-heigl-priorin-der-karmelitinnen-i/

http://www.donaukurier.de/lokales/eichstaett/Wir-sind-kein-Trauerkloster;art575,3744712

 

Mittwoch, 7. Februar 2018

Karmelitinnen aus Charkow in der Ukraine und ihre Gebete

Der Karmel von Charkow geht auf das Jahr 1995 zurück. Papst Johannes paul setzte sich dafür ein. Gegenwärtig gibt es elf Karmelitinnen aus der Ukraine, Polen und der Slowakei.

Dieses Kloster der Karmelitinnen liegt unweit der russisch-ukrainischen Grenze. Es handelt sich um das einzige kontemplative Kloster in der Diözese Charkow und Saporischschja, das vom Kriegsdrama der Ukraine betroffen ist. Im Oktober 2017, 100 Jahre nach der Oktoberrevolution, die den europäischen Osten umwälzte, gewinnt die Anwesenheit eines Karmel in Charkow im Osten der des Landes eine besondere Bedeutung. Obwohl sie durch die Klausur von der Welt getrennt sind, vergessen sie nicht, was um sie herum geschieht. Elf Karmelitinnen beten hier ständig um Frieden. Das ist jetzt ihre Mission, sagt die Priorin Schwester Anna Maria vom Heiligen Geist.

 „Wir beten in erster Linie für den Frieden in der Ukraine. Als Gott uns erlaubte, gerade jetzt, im Krieg, hier zu sein, nehmen wir alles an, wie schwierig und schmerzhaft es auch sein mag. Viele Menschen kommen zu uns und bitten um Gebet. Wir bitten für ihre Söhne, damit sie eine Chance haben, aus dem Krieg zurückzukommen. Frauen bitten um Gebete für ihre Ehemännern und Kinder für die Rückkehr ihrer Väter.

Wir bringen alles ständig vor Gott und bitten um seine Gnade. Wir beten, dass die Gnade Gottes die Herzen derer berührt, die für diese Situation verantwortlich sind. Der Krieg, der draußen stattfindet, beginnt tief im menschlichen Herzen. Wir beten für den Frieden der menschlichen Herzen. Jetzt in besonderer Weise Herzen in der Ukraine, für all jene Menschen, die in diesem Land leben. Für eine wirkliche Lösung dieses Konflikts
.“



Karmelitinnen von Charkow mit ihrem Bischof

Gedanken einer Karmelitin aus Charkow:

Ave Maria!

Es ist Samstag, ein Winterabend, ich sitze in meiner Zelle. Vor dem Fenster herrscht eisige Kälte und es fällt schweren Schnee wie funkelnde Sterne vom Himmel. In der Ferne flackern Lichter in der Stadt Charkow. Tiefe Stille durchdringt die Gegenwart Gottes. Ich bin in dieser Stunde nahe bei Maria, meiner geliebten Mutter...

Ich bedenke in meinem Herzen die jüngsten Diskussionen, die Nachrichten über den Krieg, die vielen Bitten um unsere Gebete, die Sorgen der weinenden Frauen in unserer Kapelle - ich höre von den vielen Obdachlosen und den Soldaten an der Front - haben sie alle warme Kleidung, haben sie etwas zu essen? ...

Der Krieg verlangt täglich seinen grausamen Tribut: es wird getötet, verletzt, schwer verletzt - junge Burschen, Männer, Väter und Söhne; es ist da die Sehnsucht ihrer Mütter, ihrer Frauen und Kinder, - alle weinen bittere Tränen ...

Ich sammle all diese Gedanken, diese „schmerzhaften Krümel“ in das Brot des Gebetes und opfere sie dem Herrn. Ich bitte ihn um ein Wunder, um Veränderung; ich flehe mit Maria, der Mutter des Trostes, ich flehe die Trösterin der Betrübten an. Ich bete für unseren Priester und unseren Bischof Stanisław Szyrokoradiuk, ein Mann von großem Herzen, der besorgt ist über die Ärmsten. Kürzlich wurde das zweite Heim für alleinerziehende Mütter in Charkow eröffnet, das von den polnischen Orionistenschwestern geleitet wird.

„Charkowska-Caritas“ bietet Trinkwasser, Nahrung, Kleidung für Soldaten und Zivilisten in dem vom Krieg betroffenen Gebiet. In der sogenannten „Grauen Zone“, die Zone, die die kämpfenden Parteien voneinander trennt, mit denen niemand etwas zu tun hat, gibt es Priester verschiedener Konfessionen, die von Laien unterstützt werden; sie beschäftigen sich mit der Bildung von Kindern, unterstützen die kranken, alten und einsamen Menschen, denen die elementare Fürsorge fehlt. Sie stellen Nahrung für Trinkwasser und Medizin zur Verfügung. Sie verkünden Jesus, indem sie ihm mit ihrem Leben Zeugnis geben. Ich weiß, dass sie unter sehr schwierigen Bedingungen leben. - Ich weiß, dass sie auch einen geistlichen Kampf führen, um in ihrem Dienst auszuharren, ihn nicht zu verlassen …

Das Drama des Krieges geht weiter ... Ich habe drei Worte geschrieben, aber das ist nichts gegen das endlose Leid … Wir wissen um die alltägliche Sündhaftigkeit, hinter der die bösen Mächte der Finsternis lauern. Die Korruption ist besonders rücksichtslos und sammelt sich ständig neue Opfer unter den Menschen, besonders den alten und wehrlosen Menschen ... Die Demoralisierung breitet sich unter verschiedenen Begriffen aus …

„Herr, wer wird bestehen?“
Ich glaube, dass das Licht nicht in der Dunkelheit verlischt.
Ich hoffe, dass Dein Blut, Jesus, uns retten wird, auf dass in der Ukraine alle Herzen dafür schlagen und rufen und bitten um Gnade, damit die Vernunft siegt - ... auch in mir selbst!

Gerade heute, in dieser Samstagnacht, nach vielen Jahren meines Lebens hinter den Gittern des Karmel, frage ich mich: Was ist die Qualität meiner Existenz vor Gott?

Oh, wie sehr muss ich mich demütigen, damit ich Deinen Segen empfange, mein Gott, Dich zu lieben und Dein Herz, das für jedes Übel beschuldigt wird und vernachlässigt; ich bitte um Gnade …

Ich verbinde mich mit Dir, Jesus, und ich sage:
„Vater, vergib uns, denn wir wissen nicht, was wir tun“.
 – Marias Unbeflecktes Herz, sei unser Heil.
Ich bitte Dich, mein Geliebter, mit meinem Gebet - hilf uns!


Karmel Charkow - https://www.karmel.pl/pokotylivka/

 
Karmelitinnen


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Sonntag, 17. Dezember 2017

Schwester Katharina von Jesus OCD – Karmelitin in Gnesen, Polen

Schwester Katharina von Jesus ist Karmelitin und lebt im Kloster in Gnesen. Vor einiger Zeit hat sie von ihrer Berufung erzählt.

Gott hat mich gezogen.

Aber erst als ich Ihm als Person begegnete und ich sah, dass Seine Gegenwart den Sinn meines Lebens in der Dunkelheit und Traurigkeit wiederherstellte, dass die Erfahrung Seiner Liebe mich glücklich macht und der Glaube mich hoffnungsvoll hält, war ich bereit, mich vollständig hinzugeben. Der Wunsch, ganz Gott zu gehören, führte mich in den Karmel, er ermöglichte mir, die Zeit eines monatelangen Kampfes durchzustehen, die es noch brauchte, bis Er mich ganz an sich zog.


Zum Karmel Gnesen siehe auch HIER und HIER

[…] Als ich dreizehn war, besuchte ich die Musikschule. Es war eine schwierige, aber schöne Zeit, die noch tief in mein Herz geschrieben ist. Gott, der die Grundlage meines Lebens war, wurde mir aber  zunehmend abwesend, und ich war einsam, hilflos gegen die Rivalität und Erwartungen der „musikalischen Welt“. Ich zweifelte daran, dass jemand mich lieben würde, dass ich einmal in einer Beziehung das gewünschte Glück finden könnte. Irgendwann hat Gott das Feuer der Liebe in mir entzündet und mich zu einer unendlichen Liebe geführt.

Mit fünfzehn … in der Nähe von Stettin. […] Mir war langweilig. Ich ging in die Bibliothek. Ich setzte mich nicht einmal hin, nahm einen biographischen Roman über die Heilige Teresa von Avila und ihre Töchter, die Karmelitinnen. Ich war fasziniert. Mehr. Ich sah, dass es so viel Glück war, in totaler Hingabe an Gott zu leben, dass ich all das selber wollte. Radikalismus, ständiges Gebet, Stille und Einsamkeit. Ich war durstig wie ein Feuer.


Wenn ich glücklich sein will, muss ich Karmelitin werden.

Jetzt sehe ich die Zeichen, die Gott mir gegeben hat. In der Kapelle dieses Hauses hing die Ikone der Familie von Nazareth, wie in unserer Kapelle, im Kloster der hl. Familie. Es war 1995 - im Gründungsjahr des Karmel in Gnesen. Als ich wieder zur Schule zurückkehrte, begannen meine Kämpfe. Im Grunde meines Herzens hatte ich den größten Traum aller Zeiten - eine Karmelitin zu werden.

Doch spürte ich gleichzeitig auch einen wachsenden Wunsch, mich in einer künstlerische Welt mit einem besonderen Charme einzubringen, um ein Teil von ihr zu sein, nämlich den Musikern, zu denen ich hingezogen fühlte. Ich war den Schwankungen meiner Gefühle erlegen, die kamen und gingen. Ich konnte nicht treu in der Vertrautheit mit Gott leben.

Nach Monaten der Verwirrung und Traurigkeit betrat ich eine Kirche und begann zu beten. Ich erlebte die Anwesenheit von jemandem, der mich mit einer unendlichen Liebe bekannt machte, größer als jede menschliche Liebe, auf die ich wartete, die mir aber immer noch zu klein erschien. Dann verlor ich wieder den Kontakt. Ich war so schwach. Was hatte dies mit meiner Beziehung zu Jesus zu tun. Ich brauchte Herzheilung.

 
Ein junges Herz wählt Jesus. Novizin Karmel Gnesen

Dann kam eine andere Krise. Ich wollte die Geige verlassen. Wenn ich an mein Musikerleben dachte, sah ich keinen Sinn darin. Ich begann über ein anderes Studiengebiet nachzudenken. Aber aus der Tiefe meines Herzens kam wieder der Wunsch:

Ich möchte Karmelitin werden. Doch ich wusste nicht, ob Gott es wollte.

Die ganze Weihnachtszeit betete ich intensiv: Wenn du es willst, zeig es mir. Nach der Abschlussprüfung entschied ich mich, zur Musikakademie zu gehen.



Papst Johannes Paul II. in Polen …

Ich ging hin, um ihn zu sehen. Ich habe nicht gehört, was er gesagt hat. Seine Persönlichkeit, seine außergewöhnliche Kraft, haben mich zu einer anderen Realität, dem Übernatürlichen, zu Gott, hingezogen. Ich sah ihn, sein Gesicht, seine Heiligkeit, - ich wollte alles verlassen. Nichts war wichtig, außer Gott. […] Ich war zerrissen. […] Ich ging zum Studium, zu einem Professorenkurs, wo ich mein Studium fortsetzen wollte. Wir diskutierten das Programm für das nächste Jahr und begannen neue Songs zu üben. Ich war von der Leidenschaft des Spielens überwältigt. 


Und dann […] ich legte die Geige nieder. Es war eine Stille. Ich fing an, Gott zu hören. Er wartete. Im Juli ging ich mit der Familie und Freunden in die Tatra. Es regnete, wir konnten nicht in die Berge gehen. Dann ging ich in meinem Regenmantel mit einer Karte in der Hand auf eine einsame Wanderung durch Zakopane. Plötzlich sah ich ein Hinweisschild auf einen Karmel.

Es war die Stunde der Heiligen Messe. […] Zum ersten Mal befand ich mich in dem heiligen Ort der Jungfrau vom Berge Karmel. Als ich die Schwestern hinter den Gitterstäben beten hörte, wusste ich, dass ich bald eine von ihnen sein würde. Ich wusste, dass sie die glücklichsten Menschen auf der Erde waren.


Endlich bin ich angekommen!

Als ich nach Hause kam, ging ich zum Kloster in Stettin. Ich bat darum, mit einer Schwester zu sprechen, die mir von Karmel erzählen konnte. Ich habe nicht über meinen Wunsch gesprochen. Ich fragte, und die Schwester zeichnete eine Stunde lang ein Bild des Lebens vor mir, das sich als das herausstellte, was ich leben wollte. Dann entschied ich mich: wenn ich gehen musste, dann jetzt.

Es war unmöglich für mich, wieder zur Universität zu gehen. Ich konnte nicht länger warten.

Im August habe ich mich mit einer Freundin verabredet. Ich wollte ihr von meiner Entscheidung erzählen. Sie hörte mir zu, dann zog sie unerwartet das Buch von der hl. Therese von Lisieux aus ihrer Tasche. Auf der ersten Seite sah ich das Siegel des Klosters in Gnesen, mit der genauen Adresse und dem Telefon der Schwestern.


Eingangstor Karmel Gnesen

Kurz darauf […] erzählte ich am Abend, dass ich in den Karmel eintreten wolle. Alle waren wie erstarrt. Ich weiß nicht mehr, ob jemand zu Abend gegessen hat. Ich blieb mit meiner Mutter in der Küche und erzählte ihr von der Art und Weise, wie die Schwestern leben. Es schien mir, dass sie verstand. Am Morgen, als ich ihr Gesicht von Tränen angeschwollen sah, verstand ich, dass es schwer für sie war zu verstehen. Ihr Leiden war der größte Test für meine Berufung.

Nach einigen Tagen ging ich am Sonntag mit meinem Vater zur Heiligen Messe. Als die Lesung begann, hörte ich diese Worte: Du hast mich verführt, Herr, und ich habe mich verführen lassen. Er fing an, mein Herz wie ein Feuer zu reiben. Ich versuchte ihn zu unterdrücken, aber ich konnte nicht. Mein Gott, Gott, ich suche dich und meine Seele begehrt dich. Mein Körper vermisst dich, weil die Erde ausgetrocknet ist und nach Wasser verlangt. […] Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren, und wer sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.

Gott sprach mit großer Kraft zu mir.
Er bestätigte seinen Willen, sein Versprechen.
Sein Wort hat mich verbrannt.

Einkehrtage und Probezeit im Karmel.

Es war September. Acht Tage lang betete ich und sprach mit einer Schwester, die mich auf diesem Weg begleitete. Sie wurde sofort meine engste Schwester. Ich kämpfte darum, auf der anderen Seite des Gitters zu sein. Ich stand um fünf Uhr auf, um den Stimmen der Schwestern im Halbdunkel zu lauschen und weigerte mich zu trauern. Ich war bereits an das Brevier gewöhnt, allein mit Jesus. Ich fing an zu beten. Ich habe Stunden in der Kapelle verbracht. Jesus lehrte mich, in einer Beziehung mit Ihm zu leben, treu und unaufhörlich.

Am 14. Oktober war die 1. Vesper des Festes von hl. Teresa von Avila. Ich war sehr glücklich, aber auch benommen. Alles war neu, alles anders. Gleichzeitig war es mir, als würde ich nach Jahren des Reisens wieder nach Hause kommen. Ich fühlte mich wie im Himmel. Die stille schlichte Zelle, ständige Rezitation von Psalmen, die Liturgie voller Einfachheit, mit vielen Verbeugung bis auf den Boden mit der Geste, ihn als Zeichen der Anbetung zu küssen. Ein Garten, in dem man sich mit dem Rosenkranz in der Hand verstecken kann, Arbeiten in der Gegenwart Gottes und Erholung - Schule der Schwesterliebe, ganz gewöhnlich und zugleich heilig.

Nach einem Monat der Proben kehrte ich nach Hause zurück. Mein Professor meinte, nach sieben Jahren Musikstudium sei ich müde. Ich solle mich erholen, dann würde ich zurückkehren. Ich wusste, dass das nicht passieren würde.





Clausura

Zu Hause lebte ich wie eine Karmeliterin.
Ich habe den Karmel sehr vermisst. Diese Welt war nicht mehr meine Welt. […] Ich fühlte, dass es diese Zeit gerade über meine menschliche Kräfte ging. Am Weihnachtsabend verbrachte ich auf Wunsch meiner Eltern zu Hause. Am nächsten Tag gingen wir zum Karmel. Es war der Sonntag der Heiligen Familie.

Als sich die Kausurtür für immer hinter mir geschlossen hatte, begann die Geburt in ein neues Leben. Ich war so glücklich. Jesus hat mir gezeigt, dass ich Heilung brauche. Er fing an, mein Herz zu berühren, führte mich zur Selbsterkenntnis und verfeinerte langsam meine geistliche Erfahrung. […] das Christentum beginnt mit der Inkarnation. Um mir seine Liebe zu zeigen, entblößte er mir mein Elend. Um mich in die Freiheit zu führen, erkannte ich, dass ich gefangen war. Um mir Glück zu geben, zeigte er mir, was meine Qual ist und heilte mich. […]

Jetzt weiß ich, dass das Karmelleben ein Privileg ist, die tiefste Armut zu erfahren. Ich spüre, dass ich nichts tun kann. Ich bin zur Kontemplation berufen, zur tiefen Einheit mit Gott, ich werde zerrieben und verbrannt. Ich bin beim Herrn, auch wenn ich nicht beten kann. Wenn ich nicht fähig bin zu lieben, bitte ich um Vergebung. Ich brauche Barmherzigkeit und mir wird Barmherzigkeit geschenkt, wenn ich Jesus anrufe. Er erfüllt mich mit Sanftmut, mit Glauben, mit dem Geist der Versöhnung und Treue.

[…] Ich habe festgestellt, dass Gott durch Ereignisse, durch Menschen handelt, in unsere Geschichte eingeht und sie zu unserem Besten führt. Die Beziehung zu Ihm wurde sehr konkret. Und voller Wunder. Wunder, für die ich nur danken kann.

Er offenbart seine Liebe, durchsetzt Schmerz mit Glück, das mir niemand nehmen kann, transformiert Traurigkeit in Freude, rettet und befreit. Manchmal muss man warten. Manchmal dauert es Jahre. Es ist ein Geheimnis. Durch Gott lernen wir Vertrauen; Vertrauen, Unterwürfigkeit, Demut. Und Er kommt, um das Versprechen zu erfüllen. Wir Karmelitinnen können schon hier auf Erden das Glück des Himmels leben.

Ich möchte, dass jeder Mensch dies erfährt - dass Gott wirkt, dass er sogar aus dem Tod das Leben hervorbringt, das uns bereits Anteil an der Auferstehung gibt.





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