Sonntag, 15. April 2012

S. Teresa: Die innere Burg – Castillo - 36


3.W.K.1.6. Ach Jesus, wer würde sagen, dass er ein so großes Gut nicht wollte, besonders da er das Schwerste schon hinter sich hat? Keiner! Alle 28 sagen wir, dass wir das wollen. Da aber noch mehr erforderlich ist, damit der Herr die Seele ganz in Besitz nimmt, genügt es nicht, das zu sagen, wie das auch für den jungen Mann nicht genügte, als ihn der Herr fragte, ob er vollkommen sein wolle (Mt 19,16-22). Seit ich begann, über diese Wohnungen zu sprechen, habe ich ihn vor Augen, da wir haargenau so sind. Normalerweise kommen die großen Trockenheiten 29 im Gebet gerade daher, auch wenn es noch weitere Gründe dafür gibt. Dabei sehe ich von manchen unerträglichen und gänzlich unverschuldeten inneren Nöten ab, die viele gute Seelen durchmachen, aus denen der Herr sie immer mit großem Gewinn herausholt, sowie auch von denen, die an Melancholie 30 und sonstigen Krankheiten leiden. Gottes Ratschlüsse müssen wir bei all dem letztendlich außer Betracht lassen, doch nach meinem Dafürhalten ist es normalerweise so, wie ich gesagt habe. Denn da diese Seelen sehen, dass sie auf keinen Fall eine Sünde begingen, viele von ihnen bewusst nicht einmal eine lässliche, und dass sie ihr Leben und ihr Vermögen gut einsetzen, können sie nicht die Geduld aufbringen, dass man ihnen die Eintrittstür dorthin verschließt, wo unser König wohnt, für dessen Vasallen sie sich halten, was sie auch sind.31 Aber auch wenn ein irdischer König hienieden viele haben sollte, so gelangen doch nicht alle bis zu seinem Privatgemach. Geht hinein, geht hinein ins Innere, meine Töchter; wachst über eure dürftigen kleinen Werke hinaus, denn da ihr Christinnen seid, müsst ihr das alles tun, und noch viel mehr, doch für euch reicht es, Gottes Vasallinnen zu sein. Ihr dürft nicht so viel wollen, dass ihr ohne alles bleibt. Schaut auf die Heiligen, die in das Privatgemach dieses Königs eingetreten sind, und ihr werdet den Unterschied sehen, der zwischen ihnen und uns besteht. Bittet nicht um das, was ihr nicht verdient habt, ja, es sollte uns nicht einmal in den Sinn kommen, dass wir das verdient haben könnten, so sehr wir ihm auch gedient haben, wo wir Gott doch beleidigt haben.32

Anmerkungen
28 Auch hier gebraucht Teresas wieder die Femininform ninguna und todas, denkt also an sich und ihre Schwestern.
29 Siehe Anhang I.
30 Da zu Teresas Zeit die Bezeichnung „Melancholie“ neben dem von ihr kaum verwendeten Konstrukt der „Besessenheit“ die einzige Möglichkeit zur Einordnung psychosozialer Auffälligkeiten bot, fasst sie naturgemäß ein breites Spektrum von normabweichenden Eigenschaften und Verhaltensweisen darunter: „Sowohl depressive (Antriebsschwache, Mutlosigkeit, Pessimismus) als auch psychotisch gefarbte (Wahnerleben) Erscheinungsformen psychischer Erkrankung fallen in diese Kategorie. Als besonders eindrucksvolle Symptome nennt Teresa von anderen nicht nachvollziehbare ‚Bedrangnisse’ und ‚Skrupel’ der Kranken, womit sie eher in die Richtung der depressiven Storungen verweist, jedoch auch ‚Einbildungen’, die sie andernorts klar von ‚echten Visionen’ unterscheidet“ (B. Souvignier, Die Wurde des Leibes, 144). Hinweise auf den Themenkomplex der Melancholie und seine große Bedeutung für den klösterlichen Alltag finden sich überall in ihrem Werk, gerade auch in ihren zahlreichen Briefen. Eine Zusammenstellung der Hauptaspekte der Melancholie bringt sie – wohl wegen der zentralen Bedeutung des Themas – in Kapitel 7 ihrer Klostergrundungen.
31 Erneute Anspielung auf das Feudalwesen, mit dem ihre Leserinnen vertraut waren.
32 Wir halten uns an dieser Stelle an der von T. Álvarez vorgeschlagenen Zeichensetzung mit der entsprechenden Übersetzung.

(Teresa von Avila, Wohnungen der Inneren Burg, Vollständige Neuübertragung, Gesammelte Werke Bd.4, Herder 2005, Herausgegeben, übersetzt und eingeleitet von Ulrich Dobhan OCD, Elisabeth Peeters OCD)


6. ¡Oh Jesús!, ¿y quién dirá que no quiere un tan gran bien, habiendo ya en especial pasado por lo más trabajoso? - No, ninguna. Todas decimos que lo queremos; mas como aun es menester más para que del todo posea el Señor el alma, no basta decirlo, como no bastó al mancebo cuando le dijo el Señor que si quería ser perfecto. Desde que comencé a hablar en estas moradas le traigo delante; porque somos así al pie de la letra, y lo más ordinario vienen de aquí las grandes sequedades en la oración, aunque también hay otras causas; y dejo unos trabajos interiores, que tienen muchas almas buenas, intolerables y muy sin culpa suya, de los cuales siempre las saca el Señor con mucha ganancia, y de las que tienen melancolía y otras enfermedades. En fin, en todas las cosas hemos de dejar aparte los juicios de Dios. De lo que yo tengo para mí que es lo más ordinario, es lo que he dicho; porque como estas almas se ven que por ninguna cosa harían un pecado, y muchas que aun venial de advertencia no le harían, y que gastan bien su vida y su hacienda, no pueden poner a paciencia que se les cierre la puerta para entrar adonde está nuestro Rey, por cuyos vasallos se tienen y lo son. Mas aunque acá tenga muchos el rey de la tierra, no entran todos hasta su cámara. Entrad, entrad, hijas mías, en lo interior; pasad adelante de vuestras obrillas, que por ser cristianasdebéis todo eso y mucho más y os basta que seáis vasallas de Dios; no queráis tanto, que os quedéis sin nada. Mirad los santos que entraron a la cámara de este Rey, y veréis la diferencia que hay de ellos a nosotras. No pidáis lo que no tenéis merecido, ni había de llegar a nuestro pensamiento que por mucho que sirvamos lo hemos de merecer los que hemos ofendido a Dios.

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