Donnerstag, 5. April 2012

S. Teresa: Die innere Burg – Castillo - 30


2.W.K.1.11. Nun könnte eine meinen, es wäre wohl besser, nie damit anzufangen, sondern außerhalb der Burg zu bleiben, wenn es so schlimm ist, zurückzufallen. Ich habe euch aber schon zu Beginn gesagt,35 und das sagt sogar der Herr: Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um,36 und das Eingangstor zu dieser Burg ist das innere Beten.37 Nun also, zu meinen, wir würden in den Himmel kommen, ohne in uns einzutreten, indem wir uns kennen lernen und unsere Armseligkeit betrachten, und was wir dem Herrn verdanken, und ihn oftmals um sein Erbarmen zu bitten, das wäre Unsinn.
Der Herr selbst sagt: Niemand wird zu meinem Vater hinaufgehen, außer durch mich (Joh 14,6) – ich weiß nicht, ob er es so sagt, ich glaube schon –38 und: Wer mich sieht, sieht meinen Vater (Joh 14,9). Wenn wir ihn aber nie anschauen39 und nie bedenken, was wir ihm verdanken und welchen Tod er für uns erlitten hat, dann weiß ich nicht, wie wir ihn kennen lernen oder in seinem Dienst Werke vollbringen könnten, denn welchen Wert kann der Glaube ohne sie und welchen Wert können sie haben, ohne dass sie zum Wert der Verdienste Jesu Christi, unseres Heils, hinzukommen? 40 Und wer wird uns wach machen, um diesen Herrn zu lieben? Möge es Seiner Majestät gefallen, uns zu verstehen zu geben, wie viel wir ihn gekostet haben, und dass der Knecht nicht über dem Herrn steht,41 und dass wir daran arbeiten müssen, um seine Herrlichkeit zu genießen; und dazu ist es für uns notwendig, innerlich zu beten, um nicht immer wieder in Versuchung zu geraten!42

Anmerkungen
35 Siehe 2M 1,.2f.; vgl. auch 1M 1,6-8 und 1M 2,1.5.8.14.
36 Sir 3,27 (nach der Vulgata-Fassung des Buches Ecclesiasticus). An dieser Stelle zeigt sich erneut, wie unsicher Teresa in bezug auf die Heilige Schrift ist, die sie ja nur aus Zitaten in Predigten und Büchern kannte; sie meint hier offensichtlich, dass es sich um eine Aussage Christi in den Evangelien handelt, während sie in Wirklichkeit einen alttestamentlichen Weisheitstext zitiert.
37 1M 1, tít.7.
38 Auch hier wieder dieselbe Unsicherheit bei Bibelzitaten, wobei Teresa möglicherweise auch mit ihren fehlenden Schriftkenntnissen kokettiert, weil eine zu große Sicherheit in Bezug auf die Heilige Schrift einer Frau schlecht angestanden wäre; Gracián streicht die Zwischenbemerkung und schreibt an den Rand: „Er sagt beides bei Johannes.“ Dieselbe Stelle wird auch in 6M 7,6 zitiert.
39 „Christus anschauen“ ist ein Grundprinzip der Gebetspädagogik Teresas, auf das sie immer wieder zu sprechen kommt; siehe etwa CE/CV 2,1; 42,3 und ferner V 13,22; 26,3; 35,14; 39,12; CC 5; 8; 13,10; 7M 4,8.
40 Die Autorin greift hier das heikle Thema der Rechtfertigung aus Glaube oder aber durch Werke auf, das in der damaligen Kontroverse zwischen Reformation und römischer Kirche heiß umstritten war und das Verhältnis zwischen den Konfessionen noch bis in unsere Zeit hinein belasten sollte. Als Spanierin vertritt Teresa selbstverständlich die katholische Position, doch drückt sie sich sehr differenziert aus: Ihres Erachtens muss sich der Glaube zwar durch Werke erweisen, doch sind die Werke nicht von sich aus seligmachend, sondern nur durch Rückbindung an das Kreuzesopfer Christi (an die „Verdienste Christi“).
41 Eine Anspielung auf Mt 10,24; Joh 15,20.
42 Anspielung auf Mt 26,41; Mk 14,28; Lk 22,46. Es ist wohl kaum ein Zufall, dass die Autorin an dieser Stelle nicht den Ausdruck rezar (beten im Sinne von „Gebete verrichten“), sondern orar („innerlich beten“) wählt; der Leser beachte, wie geschickt sie in dem ganzen Absatz argumentiert, um die Notwendigkeit des Betens, wie sie es versteht – eben des in liebender Aufmerksamkeit auf das Du Gottes ausgerichteten inneren Betens (vgl. M pról 1) – nachzuweisen.

(Teresa von Avila, Wohnungen der Inneren Burg, Vollständige Neuübertragung, Gesammelte Werke Bd.4, Herder 2005, Herausgegeben, übersetzt und eingeleitet von Ulrich Dobhan OCD, Elisabeth Peeters OCD)


11. Podría alguna pensar que si tanto mal es tornar atrás, que major será nunca comenzarlo, sino estarse fuera del castillo. - Ya os dije al principio, y el mismo Señor lo dice, que quien anda en el peligro en él perece, y que la puerta para entrar en este castillo es la oración. Pues pensar que hemos de entrar en el cielo y no entrar en nosotros, conociéndonos y considerando nuestra miseria y lo que debemos a Dios y pidiéndole muchas veces misericordia, es desatino. El mismo Señor dice: Ninguno subirá a mi Padre, sino por Mí; no sé si dice así, creo que sí; y quien me ve a Mí, ve a mi Padre. Pues si nunca le miramos ni consideramos lo que le debemos y la muerte que pasó por nosotros, no sé cómo le podemos conocer ni hacer obras en su servicio; porque la fe sin ellas y sin ir llegadas al valor de los merecimientos de Jesucristo, bien nuestro, ¿qué valor pueden tener? ¿Ni quién nos despertará a amar a este Señor? Plega a Su Majestad nos dé a entender lo mucho que le costamos y cómo no es más el siervo que el Señor, y qué hemos menester obrar para gozar su gloria, y que para esto nos es necesario orar para no andar siempre en tentación.

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