Freitag, 10. Oktober 2014

Teresa vor der Bildsäule (3/7)

Verwirrt empfand die Vierzigjährige ihr unwürdiges Dasein im weltlichen Kloster und ihre Mittelmäßige Frömmigkeit. Der Herr litt, und sie schwatzte, Christus erniedrigte sich, und sie jagte den Neuigkeiten nach. Einem Hammerschlag gleich traf sie dieser unvereinbare Gegensatz. Eine Reue, wie sie sie bis dahin noch nie gefühlt hatte, durchzitterte ihr Herz. Ihr ganzes Nonnendasein schien ihr plötzlich als eine einzige Farce zu sein, eine offene Beleidigung Gottes.

(Walter Nigg)

Gregorio Fernandez,
Gefesselter Christus, Avila

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