Montag, 18. Juni 2012

S. Teresa: Die innere Burg – Castillo - 100


5.W.K.1.10. Nun werdet ihr mir sagen: Wie hat sie das gesehen oder erkannt, wenn sie doch nichts sieht oder erkennt? Ich sage ja nicht, dass sie es in jenem Augenblick erkannte, wohl aber, dass sie es hinterher deutlich sieht, und nicht weil es eine Vision ist, sondern weil in der Seele eine Gewissheit zurückbleibt, die ihr nur Gott einprägen kann. Ich weiß von einer Person,32 die nicht die Kenntnis erlangt hatte, dass Gott durch seine Gegenwart und Kraft und Wesenheit 33 in allen Dingen weilte, aber aufgrund einer Gnade dieser Art, die Gott ihr erwies, kam sie dazu, es derart fest zu glauben, dass sie diese Wahrheit – obwohl einer von diesen Halbgelehrten, von denen ich gerade sprach, den sie gefragt hatte, wie denn Gott in uns weile (er wusste es genauso wenig wie sie, ehe es ihr zu verstehen gegeben wurde), ihr geantwortet hatte, er weile da nur aufgrund der Gnade –, dass sie diese Wahrheit schon so verinnerlicht hatte, dass sie ihm nicht glaubte, sondern noch andere fragte, die ihr die Wahrheit sagten,34 was sie sehr tröstete.

Anmerkungen
32 Sie selbst; vgl. V 18,15. Die Aufspaltung in zwei literarische Personen – Ich-Erzählerin und eine fiktive dritte Person (= auch die Ich-Erzählerin) – ist ein Stilmittel, auf das Teresa öfter zurückgreift, sicher nicht nur aus Demut, wie es traditionell interpretiert wurde, sondern weil die Berufung auf Dritte ein bewährtes Mittel ist, um die Verlässlichkeit ihrer Behauptungen unter Beweis zu stellen; vgl. etwa auch CE 61,3; MC 1,6; 6M 4,16; usw.
33 Die klassische Formel der scholastischen Theologie, ein erneuter Hinweis, dass die Fachterminologie der Autorin geläufiger ist, als sie vorgibt; vgl. auch CC 41,2. Abgesehen von Gesprächen mit Theologen konnte sie diese Standardformel u. a. auch bei Laredo in dessen Subida del Monte Sion (Aufstieg auf den Berg Zion) finden, das sie nachweislich gelesen hat; siehe V 23,12.
34 Wer mit dem „Halbstudierten“ gemeint ist, lässt sich nicht mehr feststellen; „die Wahrheit“ erfuhr sie nach Auskunft von P. Gracián und María de San José (Salazar) von ihrem dominikanischen Beichtvater Vicente Barrón. In diesem Fall müsste dies allerdings spätestens 1544, also in den ersten Jahren, in denen Teresa das innere Beten übte, stattgefunden haben. Darum denken manche Kommentatoren, die diese Episode später ansetzen (zwischen 1555-1564), statt dessen an dessen Mitbruder, den berühmten Konzilstheologen Domingo Báñez.


(Teresa von Avila, Wohnungen der Inneren Burg, Vollständige Neuübertragung, Gesammelte Werke Bd.4, Herder 2005, Herausgegeben, übersetzt und eingeleitet von Ulrich Dobhan OCD, Elisabeth Peeters OCD)


10. Pues diréisme: ¿cómo lo vio o cómo lo entendió, si no ve ni entiende? No digo que lo vio entonces, sino que lo ve después claro; y no porque es visión, sino una certidumbre que queda en el alma que sólo Dios la puede poner. Yo sé de una persona que no había llegado a su noticia que estaba Dios en todas las cosas por presencia y potencia y esencia, y de una merced que le hizo Dios de esta suerte lo vino a creer de manera, que aunque un medioletrado de los que tengo dichos a quien preguntó cómo estaba Dios en nosotros (él lo sabía tan poco como ella antes que Dios se lo diese a entender) le dijo que no estaba más de por gracia, ella tenía ya tan fija la verdad, que no le creyó y preguntólo a otros que le dijeron la verdad, con que se consoló mucho.

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