Sonntag, 20. Mai 2012

S. Teresa: Die innere Burg – Castillo - 71


4.W.K.2.5. Ich betrachtete gerade, als ich dies niederschrieb, dass es in dem schon erwähnten Vers Dilatasti cor meum14 heißt, das Herz habe sich erweitert, doch wie ich gerade sage, habe ich nicht den Eindruck, dass das 15 etwas sei, das seinen Ursprung im Herzen habe, sondern an einem anderen, noch viel weiter innen gelegenen Ort, gleichsam in etwas Abgrundtiefem. Ich meine, es muss wohl die Seelenmitte sein, wie ich später begriffen habe und nachher noch sagen werde.16 Denn wirklich, ich sehe Geheimnisse in uns selbst, die mich oftmals verblüffen. Und wie viel mehr muss es noch geben! Mein Herr und mein Gott, wie großartig sind deine Großartigkeiten! 17 Und da laufen wir hier wie einfältige Hirtenbuben herum, denn wir glauben, etwas von dir zu erfassen, was wohl soviel wie gar nichts sein muss, da sogar in uns selbst große Geheimnisse verborgen sind, die wir nicht durchschauen. Ich sage „soviel wie gar nichts“ im Vergleich zu dem ganz, ganz Vielen, das es in dir gibt, nicht aber, weil die Großartigkeiten, die wir sogar in dem entdecken, was wir von deinen Werken erfassen können, nicht großartig wären.


Anmerkungen
14 Ps 118,32; siehe 4M 1,5. Erneut zitiert Teresa den Vers aus dem Gedächtnis in ihrer eigentümlichen Mischung aus Latein und Spanisch.
15 Gemeint ist „diese Wonne und Zärtlichkeit.“
16 Siehe 7M 1-2. Erneut zeigt sich, dass Teresa, aller vorgetäuschten Unwissenheit zum Trotz mit der Fachsprache vertraut ist: Wie „Seelengrund“ (das bei ihr nicht vorkommt) ist „Seelenmitte“ ein typischer Begriff der rheinischflämischen Mystik, die vor allem über die Surius-Übersetzungen der Werke Ruusbroecs und Taulers Einfluss auf die geistlichen Bewegungen im Spanien des 16. Jahrhunderts ausübte. Teresa hat ihn vermutlich über Johannes vom Kreuz kennen gelernt, von dem sie gerade in den Jahren 1572-77 entscheidende theologische Impulse erhielt; siehe R. Cuartas Londoño, Experiencia trinitaria de Santa Teresa de Jesus, 151.
17 Ein typisches Beispiel für den gezielten Einsatz rhetorischer Wiederholungstechniken bei Teresa, hier ein Polyptoton (Wiederholung desselben Wortes in verschiedenen Beugungsformen).


(Teresa von Avila, Wohnungen der Inneren Burg, Vollständige Neuübertragung, Gesammelte Werke Bd.4, Herder 2005, Herausgegeben, übersetzt und eingeleitet von Ulrich Dobhan OCD, Elisabeth Peeters OCD)


5. Estaba yo ahora mirando -escribiendo esto- que en el verso que dije: Dilatasti cor meum, dice que ensanchó el corazón; y no me parece que es cosa -como digo- que su nacimiento es del corazón, sino de otra parte aun más interior, como una cosa profunda. Pienso que debe ser el centro del alma, como después he entendido y diré a la postre; que, cierto, veo secretos en nosotros  mismos que me traen espantada muchas veces. Y ¡cuántos másdebe haber! ¡Oh Señor mío y Dios mío, qué grandes son vuestras grandezas!, y andamos acá como unos pastorcillos bobos, que nos parece alcanzamos algo de Vos y debe ser tanto como nonada, pues en nosotros mismos están grandes secretos que no entendemos. Digo tanto como nonada, para lo muy muy mucho que hay en Vos, que no porque no son muy grandes las grandezas que vemos, aun de lo que podemos alcanzar de vuestras obras.

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