Samstag, 27. September 2014

Das Bildnis der heiligen Teresa de Jesus (3/8)

Mutter Teresa wußte sehr wohl, was sie sich mit dem Laienbruder-Maler zumutete. Als er im Kloster der Karmelitinnen von Pastrana ein Bild Christi an der Geißelsäule malte, rief er, um die Natur so getreu wie möglich wiedergeben zu können, eine Schwester herbei - es war eine große Dienerin Gottes! -und band ihr mit einer Schnur die Hände zusammen; dabei zog er die Schnur so fest an, daß sie ihr ins Fleisch schnitt. Damit nicht zufrieden, sagte er: „Ach, Schwester, Sünder, der ich bin, jetzt habe ich nicht einmal die Kraft, die Schnur fest genug anzuziehen. Damit das Gemälde möglichst getreu darstellt, was mein Jesus gelitten hat, ist es nötig, daß dir das Blut kommt.“ Und er zog aus ganzer Kraft mit den Füßen.

Doch es mußte eine Entscheidung getroffen werden. Pater Gracián befahl der Mutter zur Abtötung, sich von Bruder Juan malen zu lassen. Zwei Tage lang sollte sie ihm in allem gehorchen. „... und sie stimmte zu, ohne nach dem Grund zu fragen oder irgend etwas einzuwenden.“

Bruder Juan richtete Pinsel und Farben. Er rief die Mutter und befahl ihr, ein Gesicht zu machen, wie es ihm paßte, ohne auf bessere künstlerische Möglichkeiten zu achten. Die Heilige lachte - er befahl ihr zu schweigen. Ihre Miene bewegte sich - er war empört. Die Geduld der Mutter stellte ihn keineswegs zufrieden; ein anderes Mal faßte er ihr Gesicht an und drehte es dem Licht zu, damit es besser zu sehen war.


Teresa von Jesus, P. P. Rubens 1577-1640

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