Dienstag, 31. Oktober 2017

Letzte Exerzitien. - Hl. Elisabeth v.d. hlgs. Dreifaltigkeit (10/17) - Neunter Tag

„Seid heilig, denn ich bin heilig!“ [Lev 11,44 u. 19,2]. Wer außer ihm kann ein solches Gebot geben? Er hat selbst seinen Namen geoffenbart, den Namen, der ihm eigen ist, den er allein besitzt. „Ich bin“, sprach er zu Moses, „der ich bin!“ (Ex 3,14). Der einzig Lebende, der Urgrund alles Seins und aller Wesen. „In ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir.“ (Apg 17,28).

„Seid heilig, denn ich bin heilig!“ Das ist wohl derselbe Willensausdruck wie am Tag der Schöpfung, als Gott sprach: „Lasset uns den Menschen machen nach unserm Ebenbild und Gleichnis!“ (Gn 1,26). Immer ist es der Wunsch des Schöpfers, dass sein Geschöpf ihm gleichförmig werde.

Der hl. Petrus schreibt, dass wir „in die Gemeinschaft mit der göttlichen Natur kommen“ (2 Petr 1,4) und der hl. Paulus empfiehlt uns, dass wir „seine anfängliche Grundlage bis ans Ende fest behalten.“ (Hebr 3,14). Der Jünger der Liebe aber spricht zu uns: „Jetzt sind wir Gottes Kinder; aber es ist noch nicht offenbar, was wir sein werden.“ „Wir wissen aber, dass wir, wenn er erscheinen wird, ihm ähnlich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Und ein jeder, der diese Hoffnung auf ihn setzt, der heiligt sich, gleichwie auch er heilig ist.“ (1 Joh 3,2f).

Heilig sein, wie Gott heilig ist, das ist das Maß der Kinder seiner Liebe. Hat der Meister nicht gesprochen: „Seid vollkommen, wie auch euer Vater im Himmel vollkommen ist?“ (Mt 5,48). Und zu Abraham sagte Gott: „Wandle vor mir und sei vollkommen!“ (Gn 18,1). Das ist also das Mittel, um jene Vollkommenheit zu erreichen, die der himmlische Vater von uns verlangt.

Das zeigt uns deutlich der hl. Paulus: „Gott hat uns in ihm (Christus) erwählt vor Grundlegung der Welt, dass wir heilig und untadelhaft seien in Liebe.“[Eph 1,5f]

In diesem Licht kann auch ich den herrlichen Weg der Gegenwart Gottes gehen, wo die Seele „allein mit dem Alleinigen“ wandelt, „geführt durch die Kraft seiner Rechten unter dem Schatten seiner Flügel, ohne die nächtlichen Schrecknisse zu fürchten, noch den Pfeil, der am Tage fliegt, noch das Unheil, so im Finstern schleicht, noch den Anfall des Teufels in der Mittagszeit“ x.

„Zieht aus den alten Menschen ... und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in Gerechtigkeit und wahrer Heiligkeit.“ (Eph 4,22-24).

So ist der Weg vorgezeichnet. Man braucht sich nur loszuschälen, um ihn so zu durchlaufen, wie Gott es wünscht. Sich losschälen, sich selbst absterben, sich aus dem Auge verlieren, war das nicht der Gedanke des Meisters, als er sprach: „Wenn jemand mir nachfolgen will, so verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach?“ (Mt 16,24). „Wenn ihr nach dem Fleische lebt“, sagt uns der Apostel, „werdet ihr sterben, wenn ihr aber mit dem Geist die Werke des Fleisches ertötet, werdet ihr leben!“ (Röm 8,13).

Das ist der Tod, den Gott verlangt und von dem er spricht: „Verschlungen ist der Tod im Sieg.“ (1 Kor 15,54). „O Tod“, spricht der Herr, „ich will dein Tod sein“ (Os 13,14), d. h.: O Seele, o mein angenommenes Kind, schau mich an, und du wirst dich aus den Augen verlieren, ergieße dich ganz in mich, komm, stirb in mir, damit ich in dir lebe!

x Ps 90,4ff; [Der Mittagsteufel ist ein in der Wüstenväterliteratur allgegenwärtiges Thema. Er gilt als der Dämon der Trägheit und des Überdrusses. Diese zählen zu den heimtückischsten Versuchungen im geistlichen Leben und speziell des Gebetes.]


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