Mittwoch, 16. September 2015

Mit Gott vereinigte Vermögen

Weil der Verstand auf das, was das Gedächtnis ihm vorstellt, weder viel noch wenig eingeht, darum bleibt es bei keinem Gegenstande stehen, sondern wendet sich von einem zum anderen. Dieses Vermögen kommt mir hier vor wie die kleinen unruhigen und lästigen Nachtschmetterlinge, die unstet überall herumflattern. Dies scheint mir ein ganz passender Vergleich zu sein; denn obwohl das Gedächtnis hier keinen Schaden anrichten kann, so ist es doch lästig. Dagegen weiß ich kein Mittel. Gott hat mir bisher noch keines erkennen lassen, sonst würde ich es bei der Pein, die mir, wie gesagt, das Gedächtnis oftmals verursacht, für mich gern gebrauchen.

Hier zeigt sich einerseits unser eigenes Elend, andererseits offenbart sich sehr deutlich Gottes große Macht; denn während das Vermögen, das frei bleibt, uns so sehr beunruhigt und ermüdet, verschaffen uns die anderen vermögen, die mit Gott vereinigt sind, eine so große Ruhe.

Leben 160

(477-20150916)


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