Dienstag, 8. September 2015

Maria und Martha

Diese Art des Gebetes scheint zwar ganz eins zu sein mit dem Gebet der Ruhe, … dennoch aber ist sie zum Teil davon verschieden. Dort nämlich gibt sich die Seele, die sich weder rühren noch bewegen möchte, mit Maria in heiliger Muße nur dem Genusse hin; bei diesem Gebet aber kann sie zugleich auch Martha sein.

Also verbindet sie gewissermaßen das tätige mit dem beschaulichen Leben und kann, während der Wille mit Gott vereinigt ist, auch mit Werken der Liebe, mit ihren Berufsgeschäften und mit Lesen sich befassen.

Gleichwohl sind Verstand und Gedächtnis nicht ganz Herr ihrer selbst und fühlen es gut, dass der vorzüglichere Teil der Seele anderswo sich befindet. Es ist gerade so, wie wenn wir mit jemand reden, indessen zugleich auch ein anderer zu uns spricht, so dass wir weder auf diesen noch auf jenen recht achthaben können. Man nimmt diesen Zustand sehr deutlich wahr und empfindet dabei große Befriedigung und Freude. 

Leben 158

(470-20150908)



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