Dienstag, 6. Januar 2015

Nochmals also wiederhole ich es:

Viel ist daran gelegen, dass man den Geist nicht höher zu erheben trachte, sondern warte, bis der Herr ihn erhebt, was man gegebenenfalls sogleich erkennt.

Die Nichtbeachtung dieser Warnung würde insbesondere für weibliche Personen, und zwar nicht mehr als für andere, gefährlich sein, weil der böse Feind sie mit irgendeinem Blendwerk täuschen könnte.

Dagegen halte ich es für gewiss, dass der Herr ihm nicht gestatten werde, dem zu schaden, der sich mit Demut Seiner Majestät zu nahen sucht. Ein solcher wird viel mehr aus dem, womit der böse Feind ihm Verderben z bereiten beabsichtigt, nur größeren Nutzen und Gewinn ziehen.

Leben 119f

(309-20150106)

Montag, 5. Januar 2015

Meine Beichtväter staunten

... und ich selbst noch mehr, da ich meine Unbeholfenheit besser kannte als sie. Seitdem kümmere ich mich nicht mehr um Dinge, die der Herr mich nicht lehrt, es sei denn, sie berühren mein Gewissen.

Leben 119

(308-20150105)

Sonntag, 4. Januar 2015

Reliquienschrein

Reliquienschrein 
der hl. Therese vom Kinde Jesu 
und vom heiligsten Antlitz 
zu Besuch in einem polnischen 
Karmelitinnenkloster.


Therese bekennt, 
dass kein theologisches Werk, 
sondern Jesus allein 
sie belehrt und in der  
"Wissenschaft der Liebe" 
unterwiesen hat. Sie versteht darunter das Wissen um 
die Liebe und Barmherzigkeit Gottes, 
die wir täglich, auch in den kleinsten  Ereignissen, erfahren. 
Diese Erkenntnis ließ Therese den "Kleinen Weg der Liebe" 
im Alltag entdecken, auf dem sie zu größter Heiligkeit gelangte. 
Dadurch, und nicht durch große Taten, 
ist sie in der ganzen Welt bekannt und ein 
Vorbild für unzählige Menschen geworden.

Samstag, 3. Januar 2015

Seine Majestät sei für alles gepriesen,

... wenngleich es mir große Beschämung verursacht, dies mit Wahrheit sagen zu können!

In einem Augenblick gab mir Gott alles mit voller Klarheit und in einer Weise zu verstehen, dass ich mich darüber auch ausdrücken konnte, und zwar ohne dass ich danach verlangt oder darum gebeten hätte. Während ich in anderen, eitlen Dingen wissbegierig war, bin ich es in diesem Punkte nicht gewesen, weil es hier Tugend gewesen wäre.

Leben 119

(307-20150103)

Freitag, 2. Januar 2015

Viele Jahre lang habe ich ...

- eine Menge von Dingen gelesen, aber nichts von ihnen verstanden. Und auch dann, als mir der Herr das Verständnis für diese Dinge eröffnet hatte, konnte ich mich noch lange Zeit hindurch mit keinem Worte darüber erklären. Jeder Versuch in dieser Beziehung kostete mich nicht geringe Mühe.

Wenn aber die göttliche Majestät es will, lehrt sie in einem Augenblicke alles, so dass ich mich darüber verwundere.

In dieser Beziehung kann ich eines mit Gewissheit sagen: obwohl ich mit vielen geistlichen Personen sprach, die mir die vom Herrn erhaltenen Gnaden zu erklären suchten, damit ich mich darüber auszudrücken vermöchte, so war doch meine Unbeholfenheit fürwahr so groß, dass mir dies weder viel noch wenig nützte.

Es kann auch sein, dass der Herr, der selbst immer mein Lehrmeister war, es so wollte, damit ich außer ihm niemand etwas zu verdanken hätte.

Leben 119

(306-20150102)

Donnerstag, 1. Januar 2015

O wunderbarer Tausch

O admirabile commercium!
Creator generis humani, animatum corpus sumens,
largitus est nobis suam deitatem.

Zu diesem wunderbaren Tauschhandel ist ja der Erlöser auf die Welt gekommen. 
Gott ward ein Menschenkind 
damit die Menschenkinder Gotteskinder werden könnten.

Einer von uns hatte das Band der Gotteskindschaft zerrissen,
einer von uns musste es wieder knüpfen und die Sühne zahlen.

Keiner konnte es aus dem alten, dem kranken und verwilderten Stamm.
Ein neues, gesundes und edles Reis musste aufgepfropft werden.

Einer von uns ist er geworden; aber eben damit mehr als das: eins mit uns.
Das ist ja das wunderbare am Menschengeschlecht, dass wir alle eins sind.

Wäre es anders, stünden wir als selbständige und getrennte Einzelwesen frei und unabhängig nebeneinander, dann hätte der Fall des einen nicht den Fall aller nach sich ziehen können.

Dann hätte andererseits wohl für uns der Sühnepreis gezahlt werden und uns zugerechnet werden können, aber es wäre nicht seine Gerechtigkeit auf die Sünder übergegangen, es wäre kein Rechtfertigung möglich gewesen.

Er aber kam, um ein
corpus mysticum mit uns zu sein:
er unser Haupt, wir seine Glieder.

(vgl.: Dr. Edith Stein, Das Weihnachtsgeheimnis)


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