Dienstag, 13. Oktober 2015

Seinen Willen dem Herrn überlassen

Alle Ratschläge, die ich euch in diesem Buch gegeben habe, zielen auf einen einzigen Punkt: daß wir uns ganz dem Schöpfer schenken und unseren Willen in den seinen fügen. Dann wird der Weg kurz, auf dem wir zum Quell lebendigen Wassers gelangen. Aber nur der wird daraus trinken, der übergibt, daß dieser ihn mit dem seinen in Übereinstimmung bringe. Das ist die vollkommene Kontemplation, meine Töchter, nach der ihr mich gefragt hattet.

Wir selbst, das schrieb ich schon, können dabei garnichts tun. Jede Anstrengung hindert uns, nichts anderes zu sagen als: Dein Wille geschehe. Ja Herr, mir geschehe Dein Wille, alles, was Du möchtest und wie Du es wünschst. Mögen Leiden über mich kommen mit der Kraft, sie zu ertragen; sind es Verfolgungen, Krankheiten, Entehrungen und Not - hier bin ich, Vater, ich wanke nicht und sehe keinen Grund zur Flucht. Denn Dein Sohn gab im Namen aller auch meinen Willen zur Liebe, wie sollte ich mich da verweigern.

Meine Schwestern, welche Kraft hat dieses Geschenk! Wenn wir es entschlossen geben, so ist es tatsächlich fähig, den Allmächtigen zu bewegen, daß er in unsere Niedrigkeit eingeht und uns in sich verwandelt. So wird der Schöpfer eins mit dem Geschöpf.

(Teresa von Avila, vgl. Erika Lorenz: Ich bin ein Weib und obendrein kein gutes)


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