Samstag, 17. Oktober 2015
Donnerstag, 15. Oktober 2015
15. Oktober - Festtag der heiligen Teresa von Jesus
IHM
schenk ich mein ganzes Streben,
alles, was ich bin, ist sein.
So ist mein Geliebter mein,
und ich bin ihm hingegeben.
Ja, sein Pfeil hat mich gefunden,
und sein Lieben traf mein Leben.
Ewig bin ich so verbunden
Meinem Schöpfer, daß danaben
andre Liebe ganz schwunden,
er erfüllt mein ganzes Sein:
So ist mein Geliebter mein,
und ich bin ihm hingegeben.
schenk ich mein ganzes Streben,
alles, was ich bin, ist sein.
So ist mein Geliebter mein,
und ich bin ihm hingegeben.
Ja, sein Pfeil hat mich gefunden,
und sein Lieben traf mein Leben.
Ewig bin ich so verbunden
Meinem Schöpfer, daß danaben
andre Liebe ganz schwunden,
er erfüllt mein ganzes Sein:
So ist mein Geliebter mein,
und ich bin ihm hingegeben.
(Teresa von Avila, vgl. Erika Lorenz: Ich bin ein Weib und
obendrein kein gutes)
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Horace Le Blanc, Tranverberazione di S. Teresa, 1621, Musée des Beaux-Arts de Lyon |
Mittwoch, 14. Oktober 2015
Herr, mir geschehe Dein Wille
Und je mehr man durch sein
Leben erweist, daß es sich nicht um leere Worte handelt, um so enger und enger
vereint sich uns der Herr und hilft uns, alles Geschaffene wie uns selbst zu
übersteigen, um seine großen Gnaden zu empfangen, die er denen, die ihm in
diesem Leben dienen, unaufhörlich schenkt. So reich sind seine Gaben, daß wir
gar nicht mehr wissen, um was wir noch bitten sollen, und seine Majestät wird
niemals müde zu geben.
Ja, es genügt ihm noch nicht, daß er unsere Seele mit
sich vereinte, er beginnt auch, sich an ihr zu erfreuen, ihr Geheimnisse
mitzuteilen und zu sehen, wie sie durch ihr Verstehen vorankommt und zu ahnen
beginnt, was er zu schenken vermag. Er läßt sie den Gebrauch ihrer äußeren
Sinne verlieren, damit sie nichts anderes mehr wahrnehme. Das nennt man
Ekstase. Und er beginnt ihr solche Freundschaft zu bezeugen, daß er ihr nicht
nur ihren Willen zurückgibt, sondern noch den seinen dazu. Denn es freut den
Herrn in dieser liebevollen Freundschaft, daß er sich den Wünschen der Seele
unterwirft, so wie sie sich den seinen, nur viel vollkommener, denn er ist
allmächtig und vollbringt, was er wünscht so, daß nichts zu wünschen übrig
bleibt.
Die arme Seele aber kann
nicht alles, was sie wünscht vollbringen, sie vermag gar nichts, wenn er es ihr
nicht schenkt: Das ist ihr größter Reichtum. Ich möchte euch eines raten: Meint
nie, ihr könntet aus eigener Kraft und durch eigenes Bemühen zu diesem Gebet
gelangen. Wenn ihr es versucht, werdet ihr scheitern und nur Kälte und
Trockenheit empfinden. Ihr könnt nichts anderes tun, als in Schlichtheit und
mit allumfassender Demut sagen: Dein Wille geschehe.
(Teresa von Avila, vgl. Erika Lorenz: Ich bin ein Weib und
obendrein kein gutes)
Dienstag, 13. Oktober 2015
Seinen Willen dem Herrn überlassen
Alle Ratschläge, die ich euch
in diesem Buch gegeben habe, zielen auf einen einzigen Punkt: daß wir uns ganz
dem Schöpfer schenken und unseren Willen in den seinen fügen. Dann wird der Weg
kurz, auf dem wir zum Quell lebendigen Wassers gelangen. Aber nur der wird
daraus trinken, der übergibt, daß dieser ihn mit dem seinen in Übereinstimmung
bringe. Das ist die vollkommene Kontemplation, meine Töchter, nach der ihr mich
gefragt hattet.
Wir selbst, das schrieb ich
schon, können dabei garnichts tun. Jede Anstrengung hindert uns, nichts anderes
zu sagen als: Dein Wille geschehe. Ja Herr, mir geschehe Dein Wille, alles, was
Du möchtest und wie Du es wünschst. Mögen Leiden über mich kommen mit der
Kraft, sie zu ertragen; sind es Verfolgungen, Krankheiten, Entehrungen und Not
- hier bin ich, Vater, ich wanke nicht und sehe keinen Grund zur Flucht. Denn
Dein Sohn gab im Namen aller auch meinen Willen zur Liebe, wie sollte ich mich
da verweigern.
Meine Schwestern, welche
Kraft hat dieses Geschenk! Wenn wir es entschlossen geben, so ist es
tatsächlich fähig, den Allmächtigen zu bewegen, daß er in unsere Niedrigkeit
eingeht und uns in sich verwandelt. So wird der Schöpfer eins mit dem Geschöpf.
(Teresa von Avila, vgl. Erika Lorenz: Ich bin ein Weib und
obendrein kein gutes)
Montag, 12. Oktober 2015
O freier Wille, welch Sklave deiner Freiheit bist du doch
Wie armselig ist die Weisheit
der Sterblichen und wie unsicher ihre Vorsorge! Gebe doch, Herr, Deine
Vorsehung meiner Seele, wessen sie bedarf, um mehr Deinen Wünschen als ihren
eigenen zu dienen. Straf mich nicht, indem Du mir gibst, was ich will und wünsche,
wenn es Deiner Liebe, die immer in mir leben möge, nicht entspricht. Möge doch
dieses mein Ich sterben, auf daß ein neues, größeres und besseres in mir lebe,
dem mein kleines Ich zu dienen vermag: Dieses große Ich lebe in mir und gebe
mir Leben. Es herrsche, und ich sei seine Gefangene, denn meine Seele will
keine Freiheit mehr. Wie wäre denn frei, wer sich vom höchsten Gut entfernte?
Gibt es denn für die Seele eine elendere Gefangenschaft, als wenn sie sich aus
der Hand des Herrn löste? Glücklich, die sich durch starke Gitter und Ketten
des göttlichen Erbarmens gefangen sehen und sich nicht daraus befreien können.
Stark wie der Tod ist die Liebe und hart wie die Hölle. O hätten mich doch die
Hände Deiner Liebe schon getötet und in diese göttliche Hölle geworfen, aus der
es keinen Ausgang geben möge, oder besser gesagt, daß man nicht mehr fürchten
müsse, sie zu verlassen! Denn, ach mein Herr, so lange dieses irdische Leben
dauert, besteht auch die Gefahr, daß wir das ewige verlieren!
Wenn ich es recht überdenke,
ach Du mein Herr, so ist meine Verbannung lang. Kurz aber ist die Zeit, die uns
gegeben wurde, um uns Ewigkeit zu erwirken. Lang ist ein einziger Tag, eine
einzige Stunde für den, der fürchtet, Dich beleidigt zu haben. O freier Wille,
welch Sklave deiner Freiheit bist du doch, solange dich nicht Furcht und Liebe
an den Schöpfer binden. Wann werde ich ihn sehen, den glückseligen Tag, da du
verschlungen bist vom unendlichen Meer der höchsten Wahrheit! Da du nicht mehr
frei bist zu sündigen, noch frei sein möchtest, weil du, vor allem Elend
sicher, ganz eingingst in das Leben deines Gottes.
(Teresa von Avila, vgl. Erika Lorenz: Ich bin ein Weib und
obendrein kein gutes)
Sonntag, 11. Oktober 2015
„O Du wahrhaft Liebender!“
Mit wieviel Erbarmen, mit
welch sanfter und zärtlicher Beglückung heilst Du uns die Wunde, die Du selbst
mit deinem Pfeil verursachtest. O mein Gott, Du Stiller aller Leiden, wie
ungereimt rede ich doch! Wie könnten denn menschliche Mittel die Wunden des
göttlichen Feuers heilen? Wer kennt die Ursache und Tiefe dieser Wunden? Wer
weiß diese glückselige Qual zu lindern? Es wäre widersinnig, die kostbare
göttliche Wunde mit den geringen Mitteln der Sterblichen heilen zu wollen. Mit
wieviel Recht sagt die Braut im Hohen Lied:
„Mein Geliebter ist mein, und
ich bin sein.“
Denn eine solche Liebe kann
unmöglich von einer Unzulänglichkeit wie der meinen ihren Ausgang nehmen.
Wieso dann aber, geliebter
Bräutigam, bleibt diese Unzulänglichkeit nicht bei den geschaffenen Dingen
stehen, sondern schwingt sich zu ihrem Schöpfer auf? O mein Gott, warum kann
ich sagen, ich bin Dein? Du, mein wahrhaft Liebender, hast diesen Liebeskrieg
begonnen, der nichts anderes ist als eine Beunruhigung und ein Ausgesetztsein
aller Sinne und Seelenkräfte, die gleich der Braut im Hohen Lied hinausgehen
auf die Straßen und Plätze, um die Töchter Jerusalems zu beschwören, ihr zu
sagen, wo sie Gott finde. Denn, Herr, wenn diese Schlacht begonnen hat - wer
ist ihr Gegner, wenn nicht JENER, der die Burg besetzt hat, die sie bewohnten,
d.h. den höchsten Teil der Seele, und der sie von dort vertrieb, damit sie
umkehrten, ihren Eroberer zu erobern. Ohne ihn sind sie schnell ermüdet und je
mehr sie ihren Widerstand aufgeben, umso besser kämpfen sie. Schließlich
erklären sie sich für besiegt und besiegen so ihren Besieger.
Ach, meine Seele, welch
wunderbare Schlacht hast du in diesen Kämpfen geschlagen und wie buchstäblich
erfüllt es sich so! Denn mein Geliebter ist mein und ich bin sein: Wer
vermöchte zwei so flammende Feuer zu trennen oder zu löschen? Vergeblich wäre
das Bemühen, denn beide sind eins geworden.
(Teresa von Avila, vgl. Erika Lorenz: Ich bin ein Weib und
obendrein kein gutes)
Samstag, 10. Oktober 2015
Er reichte mir seine rechte Hand
Es war im zweiten Jahr meines
Priorats im Menschwerdungskloster, eine Woche nach dem St. Martinstag. Als ich
zur Heiligen Kommunion ging, zerbrach der Pater Johannes vom Kreuz die Hostie
und teilte sie zwischen mir und einer anderen Schwester. Ich dachte, er tue das
nicht aus Mangel an Hostien, sondern um mich zu erziehen, denn ich hatte ihm
erzählt, wie gern ich möglichst große Hostien erhielt, obwohl mir natürlich
klar war, daß ich immer den ganzen Herrn empfing, selbst in dem kleinsten
Stück. Da sagte seine Majestät zu mir:
„Fürchte dich nicht, Tochter,
niemand vermag dich von mir zu trennen.“
Damit gab er mir zu
verstehen, daß ich mir nichts aus der Teilung der Hostie machen solle. Und dann
ließ er mich, wie schon öfter, ganz tief im Innern eine bildhafte Vision
erfahren: Er reichte mir seine rechte Hand und sprach:
„Sieh in meiner Hand den
Nagel. Er ist das Zeichen, daß ich mich heute mit dir vermähle. Bis jetzt
hattest du es noch nicht verdient. Von nun an aber bin ich nicht nur dein
Schöpfer, dein Gott und dein König, zu dessen Ehre du lebst, sondern du bist
nun meine wahre, mir angetraute Gemahlin. Meine Ehre ist deine Ehre und deine
Ehre ist meine Ehre.“
Diese Gnade tat eine solche
Wirkung in mir, daß ich völlig außer mir und wie von Sinnen war und ihn bat, er
möge entweder meine Niedrigkeit erheben oder mir nicht eine solche Gnade
erweisen. Denn ich hatte das sichere Gefühl, daß meine natürlichen Kräfte dem
nicht gewachsen waren. Ich blieb so den ganzen Tag in tiefer Versunkenheit, wie
abwesend. Hinterher spürte ich dann, welch ein Geschenk ich empfangen hatte,
aber noch größer waren meine Verwirrung und Betrübnis, weil ich doch sehe, daß
ich so großen Gnaden in keiner Weise zu entsprechen vermag.
(Teresa von Avila, vgl. Erika Lorenz: Ich bin ein Weib und
obendrein kein gutes)
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