Sonntag, 5. November 2017

Letzte Exerzitien. - Hl. Elisabeth v.d. hlgs. Dreifaltigkeit (15/17) - Vierzehnter Tag

„Ich halte alles für Verlust um der alles übertreffenden Erkenntnis meines Herrn Jesu Christi willen, um dessentwillen ich auf alles verzichtet habe ... um Christus zu gewinnen und in ihm erfunden zu werden, nicht mit meiner Gerechtigkeit ... sondern mit der Gerechtigkeit aus Gott durch den Glauben, sodass ich ihn erkenne und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden, indem ich ihm ähnlich werde im Tod ... Ich strebe danach, ob ich es etwa ergreife; wie auch ich von Christus ergriffen bin. Brüder, ich bilde mir nicht ein, es ergriffen zu haben. Eins aber tue ich: ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir liegt. Dem vorgesteckten Ziel eile ich zu, dem Preis der von oben erhaltenen Berufung Gottes in Christus Jesus.“ (Phil 3,8 ff).

Die Größe dieser Berufung hat der Apostel oft hervorgehoben. Wie soll ich der Würde einer solchen Berufung entsprechen? 


„Christus ist mein Leben.“ (Phil 1,21). „Ich lebe, doch nicht ich, sondern Christus lebt in mir!“ (Gal 2,20).  Das ist das Mittel. Ich muss in Christus umgewandelt werden. Deshalb ist es notwendig, dass ich dieses göttliche Vorbild studiere, damit ich so sehr mit ihm eins werde, dass ich unaufhörlich durch mein Sein und Tun den Augen des Vaters das Abbild seines Sohnes darstelle.

Was sagt nun Christus bei seinem Eintritt in diese Welt? „Siehe, ich komme, o Gott, zu vollbringen deinen Willen.“ (Hebr 10,9).  So aufrichtig gemeint war diese erste Aufopferung des göttlichen Meisters, dass sein Leben gewissermaßen der Ausfluss derselben war.

„Meine Speise ist“, pflegte er zu sagen, „dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt!“ (Joh 4,34).

Diese Speise muss auch die der Braut sein, zugleich jedoch auch das Schwert, das sie hinopfert.

„Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; aber nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“ (Mk 14,36). In Frieden geht sie dann zur Schlachtbank mit dem Meister, glücklich darüber, dass der Vater sie als die Seine erkennt, da er sie mit seinem Sohn kreuzigt. Dadurch, dass sie ihn nie verlässt, sondern ihn mit aller Kraft umklammert, wird sie fähig, jene geheime Kraft auszustrahlen, welche die Seelen befreit und rettet.

Mit dem göttlichen Anbeter wird sie Gott „allezeit darbringen das Opfer des Lobes, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen.“ (Hebr 13,15).  Sie wird ihn loben ob der großen Herrlichkeit seiner Heiligkeit und von seiner Größe erzählen.

Zur Stunde der Demütigung, der Vernichtung wird sie sich des Wortes erinnern: „Jesus autem tacebat“ [Jesus aber schwieg. Mt 26,63], und wird schweigend ihre ganze Kraft dem Herrn bewahren, jene Kraft, die aus dem Schweigen fließt.

Naht die Verlassenheit und Seelenangst, die Christus den großen Klageruf erpresste: „Warum hast du mich verlassen?“ (Mk 15,34), dann wird sie sich erinnern, dass der Herr gebetet hat: „dass eure Freude vollkommen sei!“ Den Kelch, den der Vater bereitet hat, wird sie bis zur Neige trinken und in dessen Bitterkeit eine göttliche Süßigkeit finden.

Endlich, nachdem sie oft gesprochen hat: „Mich dürstet!“ d. h. „Ich verlange danach, dich in deiner Glorie zu besitzen“, wird sie sterbend sprechen: „Es ist vollbracht!“ (Joh 19, 30). „In deine Hände empfehle ich meinen Geist!“ (Lk 23,46). Und der Vater wird ihr sein Erbe geben, wo sie sein Licht im Licht schauen wird (Ps 35,10). „Wisset“, singt David, „dass der Herr Wunder getan hat an seinen Heiligen.“ (Ps 4,4) Ja, der heilige Gott ist dann in dieser Seele verherrlicht worden; denn er hat alles in ihr zerstört, um sie mit sich zu bekleiden, und sie hat ihr Leben nach dem Wort des Vorläufers gestaltet: „Er muss wachsen; ich aber muss abnehmen.“ (Joh 3,30).


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