Donnerstag, 2. November 2017

Letzte Exerzitien. - Hl. Elisabeth v.d. hlgs. Dreifaltigkeit (12/17) - Elfter Tag

„Der Herr hat mich ins Weite geführt; er rettete mich, weil er mich liebte.“ (Ps 17,22). Wenn der Herr sein Geschöpf tief gesammelt in seiner inneren Einsamkeit betrachtet, dann wird er von dessen Schönheit gefangen und führt es hinaus in jene Weite, von welcher der Psalmist singt und die nichts anderes ist, als er selbst. „So will ich eingehen in die Kraft des Herrn.“ (Ps 70,16).

Der Herr hat durch seinen Propheten gesprochen: „Ich will sie in die Einsamkeit führen und zu ihrem Herzen sprechen.“ (Os 2,14) So geht die Seele ein in jene weite Wüste, wo sie Gott vernehmen wird. „Das Wort Gottes aber ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis es Seele und Geist, auch Mark und Bein, scheidet.“ (Hebr. 4,12).

Das Wort Gottes selbst wirkt also diese Losschälung in der Seele. Es ist ihm eigentümlich, dass es das, was es zu verstehen gibt, auch bewirkt und schafft, wenn die Seele nur mit sich schalten und walten lässt.

Doch es genügt nicht, das göttliche Wort zu vernehmen. Die Seele muss es auch bewahren. Dadurch wird sie geheiligt in der Wahrheit nach dem Wunsch des göttlichen Meisters: „Heilige sie in der Wahrheit! Dein Wort ist Wahrheit.“ (Joh. 17,17).

Hat er nicht dem, der sein Wort bewahrt, versprochen: „Mein Vater wird ihn lieben, und wir werden Wohnung bei ihm nehmen?“ (Joh 14,23). Die heiligste Dreifaltigkeit wohnt in einer Seele, die das Wort Gottes bewahrt. Hat die Seele einmal ihren Reichtum begriffen, so werden alle natürlichen und übernatürlichen Freuden, die sie empfindet, nur eine Einladung zur inneren Einkehr, um Gott, das höchste Gut, zu genießen. „So erlangt sie“, sagt der hl. Johannes vom Kreuz, „eine gewisse Ähnlichkeit mit dem göttlichen Wesen.“ [Vgl. Das Lied der Liebe, Stophe 39.]

„Seid vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist!“ [Mt 5, 48]. Der hl. Paulus sagt mir, dass Gott alles nach dem Ratschluss seines Willens wirkt [Eph 1,11], und mein göttlicher Meister fordert von mir, dass ich ihm huldige, indem auch ich alle Dinge nach dem Ratschluss seines Willens tue, d. h. ich darf mich nie beherrschen lassen durch die ersten Eindrücke und Regungen der Natur, ich muss mich im Gegenteil selbst besitzen durch den Willen. Damit aber dieser Wille frei sei, muss ich ihn einfrieden in den Willen Gottes; alsdann werde ich getrieben von seinem Geist. Alles, was ich tue, ist gleichsam göttlich, ewig und nach dem Bild des Unveränderlichen.


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