Samstag, 15. Oktober 2016

Zur Heiligsprechung der Karmelitin Elisabeth von der Heiligsten Dreifaltigkeit – am 16. Oktober 2016

Elisabeth von der Heiligsten Dreifaltigkeit, Karmelitin
(18. Juli 1880 - 9. November 1906)

Elisabeth Catez wurde als Tochter des Offiziers Francois Joseph Catez und seiner Gattin Maria Emilia Rolland, am 18. Juli 1880 in Avor (Departement Cher, in Zentral-Frankreich) geboren. Am folgenden 22. Juli wird das Mädchen auf die Namen Maria Josephine Elisabeth getauft. Das Kind wächst in Dijon auf, wohin ihr Vater 1982 versetzt wurde und verbrachte dort eine unbeschwerte Kindheit.

Ihre Schwester Margarete nennt Elisabeth einen ‚echten Teufel‘, denn sie hatte einen impulsiven und willensstarken Charakter. Als Elisabeth sieben Jahren alt war starb ihr Vater. In jenem Jahr 1887 beichtet sie zum ersten Mal. Sie erkannte, wie sehr ihre Unarten, besonders ihr Jähzorn, Gott missfielen. Sie begann damit, sich  gründlich zu ändern und machte unter erheblichen Überwindungen eine wahre Bekehrung durch. Aus Liebe zu Jesus versuchte sie sich zu kontrollieren und zu bessern; sie wirkte mit der Zeit gelassen und liebenswürdig.

Am 19. April 1891 ging Elisabeth im Alter von elf Jahren zur Erstkommunion. Dabei wurde sie von einer besonderen Liebe zu Jesus im Allerheiligsten Altarsakrament ergriffen, so dass sie den ganzen Tag lang kein Essen anrühren wollte. Sie sprach die Worte: „Je n’ai pas faim. Jésus m’a nourrie.“ - „Ich habe keinen Hunger. Jesus hat mich gelabt.“

Ihr äußeres Verhalten änderte sich nun; auch ihr so lebhaftes und impulsives Wesen. Gegenüber ihrer Mutter, die bereits seit vier Jahren Witwe war, war sie nun gerne Gehorsam und folgte ihr augenblicklich. Gott schenkt Elisabeth die außergewöhnlichen Gnade der inneren Sammlung: „In meinem Innern finde ich Gott; er verlässt mich nie; er ist in mir und ich in ihm, das ist mein Leben.“

1888 hatte sich Elisabeth am Konservatorium von Dijon eingeschrieben und widmete sich mit großem Erfolg dem Klavierspielen. Sie beeindruckte und bekam ab 1891 wiederholt Auszeichnungen und sogar einen ersten Preis. Die Studentin war für das Leben und seine Schönheiten offen, sie bezauberte zudem am Klavier durch ihr Können. Die Musik half  Elisabeth bei der Betrachtung Gottes. Selbst auf Festen, wohin sie ihre Mutter gerne mitnahm um sie in die Gesellschaft einzuführen, fühlte sie sich stets dem Herrn verbunden. Dabei verlor sie ihre Spontaneität und ihren Frohsinn nicht: „Im festlichen Treiben wurde ich, ergriffen von der Gegenwart meines Herrn und Meisters und vom Gedanken an den Empfang der hl. Kommunion am nächsten Tag, eine ganz andere und bemerkte nichts von dem, was um mich herum geschah.“

Seit ihrer Erstkommunion glühte in ihr die Liebe, eine Liebe, die sie verzehrte; sie entbrannte zu dem, der in ihr wohnte. Sie erlebte das Geheimnis der Einwohnung Gottes: „Es gibt ein Sein, das die Liebe ist und das will, dass wir in Einheit mit Ihm leben.“ Der Wunsch nach einem Ordensleben drängte sich ihr auf. Mit 14 Jahren legte sie das Gelübde der Keuschheit ab. Sie spürt dabei die Kraft des Hl. Geistes noch viel lebendiger: „Eines Tages, nach der Kommunion, fühlte ich mich unwiderstehlich gedrängt, den Herrn als Bräutigam zu wählen, und ohne zu zögern verband ich mich ihm durch das Gelübde der Keuschheit. Wortlos schenkten wir einander mit so großer Hingabe, dass die Entscheidung, ganz ihm zu gehören, noch unumstößlicher wurde. Ein anderes Mal glaubte ich in meinem Innern das Wort ‚Karmel‘ zu vernehmen und von da an hatte ich keinen anderen Gedanken mehr als mich hinter dessen Gittern zu vergraben.“

Als eines Tages die Priorin des Karmel ihr sagte, der Name Elisabeth bedeute ‚Wohnung Gottes‘, begann sie ihre Berufung in der Welt noch intensiver zu leben und sie fühlte sich dabei stark von der heiligen Teresa von Jesus (Teresa von Avila) angezogen. Elisabeth mochte gerne in den Karmel eintreten, doch ihre Mutter wollte sie noch zu Hause behalten, und sie gehorchte.

Elisabeth kümmerte sich um Mädchen aus der Nachbarschaft, die sie auf die Erstkommunion vorbereitete, ebenso mühte sie sich um die Armen der Stadt. Sie ging täglich zur Heiligen Messe und verweilte lange Zeit vor dem Allerheiligsten Altarsakrament. Die gesellschaftlichen Verpflichtungen ihrer Mutter und verschiedene Feste zerstreuten sie nicht. Sie verwandelte sie in  Momente besonderer Kontemplation: „Mir scheint, dass nichts von Gott ablenken kann, wenn man ausschließlich für Ihn da ist, stets in seiner Gegenwart, unter seinem göttlichen Blick, der in die letzten Tiefen der Seele dringt. Auch mitten in der Welt kann man Ihn in der Stille eines Herzens, das ganz ihm gehören will, vernehmen.“



Elisabeth 1901 vor ihrem Karmeleintritt
Nach und nach überzeugte sich ihre Mutter von der Echtheit der Berufung ihrer Tochter und gab ihren Widerstand auf. Am 2. August 1901 erlaubte Frau Catez Elisabeth in den Karmel von Dijon einzutreten. Im Karmel bekam sie am 8. Dezember 1901 bei ihrer Einkleidung den neuen Namen ‚Elisabeth von der Heiligsten Dreifaltigkeit‘. Im Karmel ist es „immer mehr meine einzige Übung, in mein Inneres einzukehren und mich in Jenen [Anm.: sie meint damit die drei göttlichen Personen, die Allerheiligste Dreifaltigkeit] zu verlieren, die dort anwesend sind“. Sie bezeichnet diese Einkehr als das „Glück meines Lebens“ und als „Vertrautheit mit den Gästen meiner Seele.“ Nach dem Noviziat legte Elisabeth von der Heiligsten Dreifaltigkeit am 11. Januar 1903 die Gelübde ab. Ihrer Berufung zur Beschaulichkeit wollte sie in absoluter Treue Folge leisten um in innigster Gemeinschaft mit der Dreifaltigkeit zu leben.


Sr. Elisabeth als Novizin
In der Erfüllung ihrer Pflichten, bei der Arbeit, in der Zelle oder in der Kapelle, war sie unablässig im Gebet versunken. „Seit dem Augenblick, da Er ständig bei mir ist, findet das Gebet, das Von-Herz-zu-Herz, kein Ende. Ich spüre Ihn so lebendig in meiner Seele, dass ich mich nur zu sammeln brauche, um Ihm in meinem Innern zu begegnen, und hierin liegt mein ganzes Glück.“ Ganz katholisch spricht Elisabeth von der Karmelitin wie vom Priester, dass beide nur dann, wenn ihre Seelen „ganz getreu am göttlichen Brunnen verweilen, Gott ausstrahlen und mitteilen können. Da der Herr in unsern Seelen weilt, gehört uns auch sein Gebet an. Ich möchte es mir beständig zu Eigen machen und mich damit vereinen“, um so ein Gefäß Gottes zu sein. 

Sr. Elisabeth nach ihrer Profess
Die Jahre nach der Profess im Karmel waren für Schwester Elisabeth mehr und mehr von Krankheit gezeichnet. Seit dem 1. Juli 1903 zeigten sich bei ihr eigenartige Symptome, die sich später als Addison-Krankheit herausstellten. Die Addison-Krankheit, auch Morbus Addison, ist eine schwere, aber sehr seltene, Erkrankung der Nebennierenrinde. Dabei werden lebenswichtige Hormone und Botenstoffe der Nebennierenrinde nicht mehr produziert, wodurch eine Nebennierenrinden-Insuffizienz herbeigeführt wird. Die Addison-Krankheit war und ist nicht heilbar, heute aber gut therapierbar. Unbehandelt jedoch, wie zu Lebzeiten Elisabeths, ist diese Krankheit tödlich.

Elisabeth nahm alles mit einem Lächeln an, das ihre Freude darüber zum Ausdruck brachte, dass sie „aus Liebe dem Gekreuzigten immer ähnlicher“ wurde. So wurde Schwester Elisabeths Opfer, das sie schon so früh als das ihre darbrachte, bald vollendet. Die durchaus qualvolle Krankheit, die der Arzt der Karmelitinnen (im fehlenden Wissen um Diagnose und Therapie falsch behandelt) ein Martyrium nannte, kam ihrem brennenden Verlangen, sich für Gott und seine Kirche zu verzehren, entgegen. „Beim Gedanken, dass der Vater mich vorherbestimmt hat, dem Bilde seines gekreuzigten Sohnes gleichförmig zu werden, empfindet meine Seele ein unaussprechliches Glück. Ich möchte nicht nur rein wie ein Engel werden für den Himmel, sondern auch umgestaltet in den Gekreuzigten."

Am 21. November 1904 entsprang einem ‚Seufzer ihres Herzens‘ am Ende der geistlichen Exerzitien der Ausruf: „O mein Gott, Dreifaltigkeit, die ich anbete“. Aus dieser Erfahrung der Erhebung zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit schöpfte sie die Kraft für das auf sie zukommende Martyrium, ihrer schweren Krankheit, von dem sie nach und nach immer mehr erfasst wurde. Die Jahre 1904 und 1905 verliefen noch ohne größere Besorgnis, doch änderte sich die Situation 1906 schlagartig. Es kam eine Krise nach der andern und sie brachten sie an den Rand des Abgrunds. Sie konnte weder feste noch flüssige Nahrung zu sich nehmen.



Sr. Elisabeth von ihrer Krankheit gezeichnet
Wenngleich sich zum körperlichen Martyrium auch noch das geistige kam und Gefühle der Niedergeschlagenheit, Leere, des Verlassenseins von Gott sowie Selbstmordgedanken heraufbeschworen, überwand sie alles im Glauben. Am 28. Oktober 1906 kündigte sie die Mission an, die sie nach ihrem Tod ausüben werde: „Im Himmel wird es meine Aufgabe sein, Seelen zu gewinnen, indem ich ihnen helfe, aus sich herauszugehen, um sich spontan und mit ganzer Hingabe Gott anzuschließen, und sie in jenem großen inneren Schweigen zu halten, das es Gott ermöglicht, in ihnen Fuß zu fassen und sie in Sich zu verwandeln.“ Am 1. November sagte sie noch: „Alles vergeht! Am Abend des Lebens bleibt nur die Liebe.“ Und am Vorabend ihres Todes hörte man sie noch murmeln: „Ich gehe zum Licht, zur Liebe, zum Leben."

Schwester Elisabeth von der Dreifaltigkeit starb im Alter von nur 26 Jahren am Morgen des 9. November 1906 im Karmel von Dijon und wurde am 12. November auf dem Friedhof der Stadt beerdigt. Ihre Gebeine ruhen heute in der Pfarrkirche San Michel in Dijon.

Ihre Seligsprechung erfolgte durch Papst Johannes Paul II. am 25. November 1984. Am 16. Oktober 2016 wird / wurde Schwester Elisabeth von der Heiligsten Dreifaltigkeit von Papst Franziskus heiliggesprochen. Im nachkonziliaren Kirchenkalender ist ihr liturgisches Fest am 9. November.



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