Donnerstag, 25. Dezember 2014

Das Wunder der heiligen Nacht

Wenn die Tage kürzer und kürzer werden, wenn (in einem normalen Winter) die ersten Schneeflocken fallen, dann tauchen scheu und leise die ersten Weihnachtsgedanken auf. Und von dem bloßen Wort geht ein Zauber aus, dem sich kaum irgend ein Herz entziehen kann. Selbst die Andersgläubigen und Ungläubigen, denen die alte Geschichte vom Kinde zu Bethlehem nichts bedeutet, rüsten für das Fest und überlegen, wie sie da und dort einen Strahl der Freude entzünden können. Es geht wie ein warmer Strom der Liebe über die ganze Erde schon um Wochen und Monate voraus.

Für den Christen und besonders für den katholischen Christen ist es noch etwas anderes. Ihn führt der Stern zur Krippe mit dem Kindlein, das den Frieden auf Erden bringt. In zahllosen lieblichen Bildern stellt es uns die Christliche Kunst vor die Augen; alte Weisen, aus denen der ganze Zauber der Kindheit klingt, singen uns davon.

Wer mit der Kirche lebt,
dem rufen die Rorateglocken und die Adventslieder
eine heilige Sehnsucht im Herzen wach,
und wem der unerschöpfliche Born der hl. Liturgie erschlossen ist,
bei dem pocht Tag für Tag der große Prophet der Menschwerdung
mit seinen gewaltigen Mahnworten und Verheißungen an:
Rorate coeli desuper et nubes pluant justum!
Tauet Himmel von oben; ihr Wolken regnet den Gerechten!
Prope est iam Dominus – venite adoremus!
Nahe schon ist der Herr, kommt, wir beten ihn an!
Veni Domine et noli tardare!
Komm Herr, zögere nicht! 

Hodie scietis, quia veniet Dominus et mane videbitis gloriam eius –
Heute sollt  ihr wissen: der Herr kommt
und morgen sollt ihr schauen seine Herrlichkeit!

Ja, wenn am Abend die Lichterbäume brennen und die Gaben getauscht werden, 
da drängt die unerfüllte Sehnsucht 
immer noch hinaus nach einem andern Lichtglanz, 
bis die Glocken zur Christmette und läuten und ...

- dum medium silentium tenet omnia –
Tiefstes Schweigen hielt alles umfangen!

... das Wunder der Heiligen Nacht sich auf unseren licht- und blumengeschmückten Altären erneuert:

Et verbum caro factum est.
Und das Wort ist Fleisch geworden!

(vgl.: Dr. Edith Stein, Das Weihnachtsgeheimnis)


Mittwoch, 24. Dezember 2014

Dienstag, 23. Dezember 2014

Erkennen

Wenn jedoch der Herr den Verstand aufhebt und untätig macht, so stellt er ihm Dinge vor, die ihn fesseln und in Staunen versetzen.

Alsdann geschieht es, dass er ohne Nachdenken in der Zeit eines Credo mehr erkennt, als wir sonst mit allen unseren irdischen Bemühungen in vielen Jahren zu erkennen imstande wären.

Leben 118

(303-20141223)

Montag, 22. Dezember 2014

Mystischen Theologie

Wenn ich nun sage, die Seele dürfe sich nicht eher emporschwingen wollen, als bis Gott sie höher stellt, so ist dies eine mystische Redeweise.

Wer in dieser Beziehung nur einige Erfahrung hat, der wird mich verstehen. Wem aber diese Sache noch unverständlich ist, dem kann ich sie nicht anders erklären.

In der mystischen Theologie verliert nämlich der Verstand seine Tätigkeit, weil Gott ihn aufhebt. Wenn ich es vermag und Gott mir seine Gnade dazu gibt, werde ich in der Folge noch weiteres verbreiten.

Was ich daher sagen will ist dies, dass man sich nicht anmaßen, ja nicht einmal daran denken soll, selbst den Verstande aufheben oder seine Tätigkeit einstellen zu wollen. Dann blieben wir stumpfsinnig und kalt und würden weder in der einen noch anderen Gebetsart etwas zustande bringen.

Leben 117f

(302-20141222)

Samstag, 20. Dezember 2014

Gelehrsamkeit

Andere werden es mit Nutzen tun, besonders jene, die Gelehrsamkeit besitzen. Denn diese ist, wenn Demut sie begleitet, meines Erachtens ein großer Schatz bei dieser Übung.

Es möchten recht viele Gelehrte ein geistliches Leben führen!

Leben 117

(301-20141220)

Freitag, 19. Dezember 2014

Wahrheit

Das Gesagte ist nicht so zu verstehen, als dürfe man sich mit den Gedanken nicht emporschwingen, um über hohe Dinge, wie über den Himmel und seine Herrlichkeiten, über Gott und seine erhabene Weisheit Betrachtungen anzustellen.

Ich selbst zwar habe dieses niemals getan, weil ich, wie gesagt, dazu nicht fähig war. Auch habe ich durch Gottes Gnade die Wahrheit erkannt, dass es bei meinem schlimmen Leben keine geringe Kühnheit von mir wäre, auch nur über irdische Dinge, geschweige denn über himmlische nachzudenken.

Leben 117

(300-20141219)

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...