Die
ganze Schuld liegt an uns, wenn wir nicht sofort einer so hohen Würde uns
erfreuen und nicht gleich alle Güter teilhaft werden, die die wahre
Gottesliebe, sobald man sie vollkommen besitzt, mit sich bringt.
Wir
gehen so schwer und so zaudernd daran, uns ganz Gott hinzugeben, dass wir
deshalb zum Empfange eines so kostbaren Schatzes nie gehörig bereitet sind.
Denn die göttliche Majestät diesen nur um einen hohen Preis genießen lassen.
Ich
rede jetzt von solchen, die anfangen, sich in den Dienst der Liebe zu begeben.
Denn nichts anderes tun wir nach meiner Ansicht, wenn wir uns entschließen, auf
dem Weg des Gebetes dem zu folgen, der uns so sehr geliebt hat.
Dies
ist eine so hohe Hürde, dass mich schon der Gedanke daran mit wunderbarer Wonne
erfüllt. Denn wenn wir in diesem ersten Stande wandeln, wie wir sollen, so
schwindet bald die knechtische Furcht.
Es
kann sein, dass ich, die ich so böse bin, nur nach mir urteile, da ich wegen
meines Elends dies alles nötig gehabt habe, während andere zur Ausübung auch
sehr vollkommener Werke vielleicht nicht mehr bedürfen als die Wahrheit des
Glaubens.
So
wird auch jemand wenig danach verlangen, allen zu missfallen und von allen
verabscheut zu werden, noch sich viel um die Übung aller sonstigen großen
Tugenden kümmern, die vollkommenen Seelen eigen sind, wenn er nicht nebst einem
lebendigen Glauben auch noch ein Unterpfand der Liebe hat, die Gott zu ihm trägt.