Dienstag, 23. Juni 2015

Geräusche des Verstandes

Zur Zeit des Ruhegebetes hat die Seele nichts anderes zu tun, als sich in stiller Hingabe und ohne Geräusch zu verhalten.

Geräusch nenne ich hier, wenn man mit dem Verstande viele Erwägungen anstellt und nach vielen Worten sucht, um für diese Wohltat zu danken. Oder wenn man seine Sünden und Fehler zusammenhäuft, um sich seine Unwürdigkeit zu Gemüte zu führen.

Leben 143

(420-20150623)


Montag, 22. Juni 2015

Gebe Gott

Für Freund Gottes sollen sich jene halten, die diese Gnade in sich erkennen, wenn sie nur auch den Gesetzen zu entsprechen wissen, deren Beobachtung schon eine gute Freundschaft in der Welt bedingt. Tun sie das nicht, so mögen sie fürchten, sich zu schaden, und gebe Gott, sie schadeten dann nur sich allein!

Leben 143

(419-20150622)


Samstag, 20. Juni 2015

Ermahnung

Die Seelen aber, die der Herr zu diesem Stande erhoben hat, möchte ich dringend ermahnen, achtzuhaben, daß sie das empfangene Talent nicht vergraben. Es scheint, Gott wolle sie erwählen, vielen anderen zu nützen, besonders in diesen Zeiten, die starke Gottesfreunde erheischen, um die Schwachen zu unterstützen.

Leben 142

(418-20150620)


Freitag, 19. Juni 2015

Ich sage nur, was ich wahrgenommen habe.

Ich behaupte nicht, daß es in der Tat nur wenige solcher Seelen gibt. Vielmehr glaube ich, es müssen ihrer immerhin viele sein, weil ja doch etwas die Ursache ist, warum uns Gott noch erhält.

Leben 142

(417-20150619)


Donnerstag, 18. Juni 2015

Dieses Fünklein ist ein Unterpfand,

- das Gott der Seele als ein Zeichen gibt, daß er sie nun zu großen Dingen auserwählt, wenn sie sich dafür bereitet. Es ist ein großes Geschenk, viel größer, als ich es aussprechen kann.

Ich kenne viele Seelen, die bis hierher gelangt sind. Von denen aber, die von da weiter schreiten, wie sie sollten, kenne ich so wenige, daß ich mich schäme, es zu sagen. Dies schmerzt mich sehr.

Leben 142

(416-20150618)


Mittwoch, 17. Juni 2015

Unsere Natur ist nach schmackhaften Dingen so lüstern, daß sie alles versucht.

Gar bald stellt sich in der Seele eine große Kälte ein. Denn wie sehr sie sich auch, um die Süßigkeit dieses Gebetes zu kosten, bemühen mag, das Feuer anzufachen, so scheint es doch, so schütte sie Wasser auf das Fünklein, um es auszulöschen.

Dieses Fünklein nun, das von Gott in die Seele gesenkt wird, macht, so klein es auch sei, ein starkes Geprassel, und wenn man es nicht durch eigene Schuld auslöscht, so zündet es allmählich jenes große Feuer an, das in Flammen der glühenden Liebe Gottes auflodert, die Seine Majestät vollkommenen Seelen verleiht.

Leben 142

(415-20150617)


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